Miedl stolperte heuer über die "Melde-Affäre" - er war zwar in Graz gemeldet (Auf der Tändelwiese), wohnte aber in Seiersberg. Als der Fall publik wurde, ließ ihn die Partei fallen (siehe Infobox) - allerdings halten sich bis heute hartnäckig die Gerüchte, dass Miedl weit mehr "auf dem Kerbholz" gehabt haben muss. Schließlich ist sein tiefer Sturz, niemand in der Partei sprang für ihn in die Bresche, einzigartig in der Geschichte der Grazer ÖVP, wenn nicht gar in der gesamten Grazer Parteienlandschaft. So fand man zum Beispiel auch für Walter Ferk, der die Roten bei der letzten Gemeinderatswahl immerhin in eine Jahrhundert-Niederlage führte, ein Plätzchen nach der Politik: Ferk werkt seit einigen Monaten als hochgradig unauffälliger Veranstaltungskoordinator der Stadt Graz.
Graz-Bürgermeister "zu gutgläubig"
Nagl wäre viel zu gutgläubig und von seinem engsten Umfeld belogen worden, zieht Miedl in der Polizei-Zeitung vom Leder. Oder: Nagls Wahlkampf-Werbe-Guru Claudia Babel habe von Anfang an versucht, ihn schlecht zu machen. ÖVP-Klubobmann Peter Piffl-Percevic habe kolportiert, dass Miedl seinen eigenen Wahlkampf mache. Die ÖVP habe Angst gehabt, dass Miedl mehr Vorzugsstimmen einfahre als Nagl.
Zudem habe man eine Intrige in der Partei gegen ihn gesponnen, ihm Geheimverhandlungen mit SPÖ-Chef Wolfgang Riedler unterstellt, die Vorbereitung eines Partei-Putsches vorgeworfen und dubiose Geldflüsse (von "Wahlspenden") geortet.
Nagl lässt die Miedl-Attacke kalt: "Es gibt für mich keinen Grund, Miedls Äußerungen zu kommentieren. Miedl hat keine politische Funktion mehr."
Auch "lezter" Platz wackelt
Miedl bastelt offenkundig an einer Dolchstoßlegende. Dabei verschweigt er, dass nicht nur die ÖVP ihn fallen ließ. Auch Wiki - die anerkannte Einrichtung für Kinder- und Jugendarbeit, an deren Aufbau Miedl maßgeblich beteiligt war - entfernte ihn kürzlich aus allen Ämtern. Jetzt klammert sich Miedl an den Grazer ÖAAB, deren Obmann er (noch) ist. Doch auch dort mehren sich die Gerüchte, dass Miedl bei nächster Gelegenheit das Vertrauen entzogen wird.
von Gerald Richter, "Steirerkrone"
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