Spätfolgen

158.000 Chinesen in Sicherheit gebracht

Ausland
28.05.2008 12:40
Massenevakuierung in China: Die chinesischen Behörden haben Zehntausende Menschen vor befürchteten Überschwemmungen in Sicherheit gebracht. Mindestens 158.000 Bewohner mussten die Region rund um den stark ansteigenden "Erdbeben-See" in Tangjiashan verlassen.

Der Erdbeben-See in Tangjiashan ist kein natürlicher, sondern entstand infolge von Erdrutschen, die das schwere Erdbeben vor zwei Wochen in der Provinz Sichuan ausgelöst hatte. Die Bedrohung durch den See sowie durch mehr als 30 weitere zu bewältigen, sei derzeit die "dringendste Aufgabe", sagte Chinas Regierungschef Wen Jiabao.

1,3 Millionen Menschen in Gefahr
In der gesamten Region drohen schwere Überschwemmungen durch insgesamt 35 aufgestaute Flüsse, die durch Erdrutsche blockiert wurden. Von den Gefahren sind insgesamt 1,3 Millionen Menschen betroffen. Der See in Tangjiashan ist nicht über Straßen erreichbar, Soldaten, Polizisten und Helfer können das Gewässer aber per Fußmarsch und im Hubschrauber erreichen.

Gefahr von Dammbrüchen durch Nachbeben
Die Lage dürfte noch gefährlicher werden, da in den nächsten Tagen in der Region Gewitter erwartet werden. Das ist aber nur ein Vorgeschmack auf den kommenden Sommer, in dem in der Region normalerweise 70 Prozent des jährlichen Regens fallen. Die Gefahr von Dammbrüchen steigt auch durch die weiter anhaltenden Nachbeben, die nach Angaben von Experten noch Monate weitergehen können.

400.000 Häuser bei Nachbeben eingestürzt
Unterdessen sind bei zwei Nachbeben am Dienstag mehr als 400.000 Häuser eingestürzt. Im Bezirk Qingchuan in der Provinz Sichuan wurden mehr als zwei Wochen nach dem schweren Hauptbeben mehr als 420.000 Häuser zerstört. Berichte über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor. 

Bereits über 67.000 Todesopfer
Die Gesamtzahl der Toten der Erdbebenkatastrophe ist nach amtlichen Angaben auf 67.183 gestiegen. 20.790 Menschen werden noch vermisst, mehr als 360.000 wurden verletzt. Ministerpräsident Wen Jiabao hat erklärt, er erwarte insgesamt mehr als 80.000 Tote nach dem schweren Beben vom 12. Mai.

Ein-Kind-Politik gelockert
Angesichts der hohen Zahl von Kindern unter den Opfern lockerten die Behörden die strenge Ein-Kind-Politik, die zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums eingeführt worden war. Familien, deren Kind bei dem Beben getötet oder schwer verletzt wurde, werde ein weiteres Kind erlaubt, erklärte Chinas Familienplanungskomitee.

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