Irreversibel

Diabetes teils schon im Mutterleib “programmiert”

Wissen
09.11.2006 17:29
Ein Grundstein für Diabetes (Zuckerkrankheit) wird einer Studie zufolge durch Mangelernährung schon im Mutterleib gelegt: Insulinresistenz ist demnach bereits beim Neugeborenen vorhanden und wird nicht unbedingt im weiteren Lebensverlauf erworben. Das weist erstmals eine Studie des Zentrums für Herz- Kreislaufforschung an der Berliner Charité nach. Die Insulinresistenz ist eine Vorstufe des Typ 2-Diabetes und begünstigt Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzmuskelschwäche und Bluthochdruck.

Basis der Studie ist die so genannte Barker-Hypothese, die vor etwa 15 Jahren einen direkten Zusammenhang zwischen geringem Geburtsgewicht und der Neigung zu Herz-Kreislauferkrankungen herstellte. In der Entwicklung des Fötus gibt es sensible kurze Phasen, in denen bestimmte Stoffwechselfunktionen eingestellt werden. Bei einer Unterernährung etwa arbeitet der Organismus auf Hochtouren, um eine maximale Verwertung zu erreichen. Diese Anpassung ist irreversibel und gilt damit lebenslang. Wenn also später eine normale Ernährung erfolgt, wird diese überproportional gut verwertet und sorgt damit für Übergewicht.

Ging man bisher davon aus, dass Insulinresistenz beispielsweise erst mit einer falschen Ernährung und ungesunder Lebensweise im Erwachsenenalter erworben wird, konnte nun gezeigt werden, dass bereits im Mutterleib die Insulinresistenz geprägt werden kann. Das führe zu einem grundlegend neuen Verständnis von Diabetes, hieß es bei der Charité. Weitere Forschungen sollen untersuchen, wie dieser sensible Mechanismus funktioniert und ob im Krankheitsfall sogar ein "Re-Programmieren" möglich sein könnte.

Generell empfehle sich werdenden Müttern ein sehr bewusster Umgang mit Ernährung. Denn wie die Berliner Arbeitsgruppe in einer anderen Studie herausfand, kann nicht nur Unterernährung, sondern generell Fehlernährung im Mutterleib zu Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter führen. Dies wurde tierexperimentell untersucht. Nicht nur Proteinmangel, sondern auch ein Überangebot an Eiweiß kann im sehr frühen Stadium der Schwangerschaft zu einem geringen Geburtsgewicht und damit zu Herzkreislauferkrankungen der Nachkommen führen.
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