Während vielen Österreichern die NÖM-Milch mit ihrer zweisprachigen Beschriftung noch sauer aufstößt (siehe Infobox), freut sich Ismail Karabulut über die steigende Nachfrage nach Getränken aus der Türkei. Jetzt, mit Ende des Fastenmonats Ramadan, wird der Bierkonsum seiner Marke Efes wieder um 50 Prozent in die Höhe schnellen. Er verkauft eine Million Liter Gerstensaft pro Jahr, vor allem geschätzt von Türken der zweiten und dritten Generation und Österreichern, die die Marke aus dem Urlaub kennen. Weiteres beliebtes Produkt ist der Anisschnaps Yeni Raki.
Der Wiener mit türkischen Wurzeln findet die Marketing-Idee der NÖM sehr gut: „Leider ist es etwas spät. Denn seit 20 Jahren werden Yoghurt und Käse aus Holland und Deutschland eingeführt, weil der Import türkischer Milchprodukte nach Österreich verboten ist“, erklärt der Unternehmer.
So wird auch die bei Migranten beliebte Marke Gazi, deren Packungen oft eine Moschee zieren, in Deutschland produziert und nicht in der Türkei. Außerdem sei für muslimische Kunden wichtig, dass Yoghurtprodukte keine Gelatine enthalten (Anmerkung: Gelatine wird aus Schweineschwarten erzeugt). „Die türkische Aufschrift schafft Vertrauen. So mancher glaubt, es handelt sich um ein türkisches Produkt“, ist der Firmenchef überzeugt.
Da die meisten türkischen Supermärkte keinen Alkohol führen, plant Ismail Karabulut, dessen Büro die Büste jenes türkische Staatsmannes ziert, der die Frauen vom Kopftuchzwang befreite, nach Vorbild von Wein und Co. eigene Shops für alkoholische Getränke.
von Martina Münzer, Kronen Zeitung
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