Material freigegeben
Videos aus Versteck zeigen Bin Laden beim Fernsehen
Der Al-Kaida-Chef sei bis zu seinem Tod "hoch aktiv" gewesen und habe seiner Terrorgruppe aus seinem Versteck in Abbottabad weiterhin regelmäßig Anweisungen erteilt, sagte ein ranghoher US-Geheimdienstvertreter, als die Videos am Samstag bei einer Pressekonferenz Reportern übergeben wurden.
Der US-Nachrichtensender CNN zeigt das Material in einem Beitrag auf seiner Website, so auch der Sender MSNBC, laut dem insgesamt fünf Videos veröffentlicht wurden. In einem der Vides ist zu sehen, wie ein graubärtiger, alt wirkender Bin Laden auf einem kleinen Fernseher durch die Satellitenkanäle zappt und sich schließlich einen Beitrag über sich selbst ansieht. Eine Kurzversion der Aufnahme wurde vom britischen Sender Channel 4 auf YouTube veröffentlicht, die Associated Press zeigt eine unkommentierte Langversion.
Für Propagandavideo frisch gemacht
Die weiteren Videos (Standbilder siehe Diashow in der Infobox) zeigen einen wesentlich frischer aussehenden Bin Laden bei den Aufnahmen für Propaganda-Beiträge. Das jüngste trage den Zeitstempel November 2010. Für die Filmaufnahmen in goldener Robe vor einer aufgespannten, verknitterten Plane habe sich der Terrorpate offenbar den grauen Bart gefärbt und sei möglicherweise geschminkt worden, heißt es bei CNN. Weitere Filme zeigen, wie der Al-Kaida-Chef für Videobotschaften übt.
Dass sich auf den beschlagnahmten USB-Sticks, DVDs und Computerfestplatten auch Bewegtbild-Material befand, war bis dato nicht bekannt. Es gebe "Hunderte" von Audio- und Videodokumenten. Das Material sei der "wichtigste Fund an Terrorvideos aller Zeiten", hieß es am Samstag vonseiten des US-Militärs. Das Pentagon hat allerdings nur tonlose Kopien der Filme ausgegeben. Der Wortlaut der Botschaften soll geheim bleiben.
Streit um Leichenfotos geht weiter
Um die von den US-Soldaten angefertigten Bild-Dokumente, darunter Fotos der Leiche Bin Ladens, steht der US-Regierung indes noch ein längerer Streit bevor. Präsident Barack Obama verneinte wiederholt Reporteranfragen, die Bilder freizugeben. Die US-Regierung werde die Aufnahmen nicht wie "Trophäen" behandeln, sagte er.
In den USA haben Bürger und Journalisten jedoch aufgrund eines Gesetzes, das sich "Freedom Of Information Act" nennt, weitgehende Zugriffs- und Auskunftsrechte bei Behörden. Zum Beispiel ist jedes von einem Mitarbeiter der Regierung angefertigte Foto grundsätzlich "public domain", es sei denn, es sprechen Gründe der nationalen Sicherheit oder vergleichbare Argumente dagegen.
Der Weg zum Richter, um an zurückgehaltenes Bildmaterial zu kommen, wird häufig eingeschlagen. Der US-Sender ABC News klagte vergangenes Jahr erfolgreich auf Herausgabe von Fotos und Videos der Anschläge vom 11. September 2001, die von einem Polizeihelikopter aus gemacht wurden. Die Bilder gingen damals um die Welt und zeigten den Einsturz des World Trade Centers in New York aus einer bis dato ungesehenen Perspektive.
Kläger wollen auch Video der Seebestattung
Laut US-Medien sind nach Obamas Weigerung, die Leichenfotos herauszugeben, bereits mehrere Klagen nach dem "Freedom Of Information Act" bei US-Gerichten eingegangen. Bis es zu einem Urteil kommt, könnten jedoch Jahre vergehen. Bessere Aussichten erhoffen sich Kläger bei einem angeblich existierenden Video der Seebestattung Bin Ladens. Es soll zeigen, wie der in ein Leintuch verhüllte Leichnam des Terrorpaten nach einem Gebet von einem US-Flugzeugträger aus der ewigen Ruhe zugeführt wird. Die US-Regierung überlege noch, es zu veröffentlichen, heißt es.







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