Wegen der Unternehmensform "Eingetragener Kaufmann" stünden Anton Schlecker und seine Familie für die vor einer Woche angemeldete Insolvenz persönlich gerade, erklärte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Soll heißen: Anton Schlecker ist auch persönlich ruiniert. "Wenn noch 100 Millionen im Schrank liegen würden, wäre es zu diesem Verfahren nicht gekommen", so Geiwitz. Das Unternehmen und die Familie habe aber kein Geld mehr bereitstellen können, um den weiteren Betrieb zu gewährleisten.
Von den gut 6.000 Filialen der Drogeriemarktkette mit rund 32.000 Mitarbeitern würden Hunderte unprofitable geschlossen, kündigte Schlecker- Finanzchef Sami Sagur an. Um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen, stünde auch das Auslandsgeschäft des Unternehmens zur Disposition. Hierzulande betreibt Schlecker 970 Filialen mit rund 3.000 Mitarbeitern.
Aufgrund der geringen Filialgrößen wird den heimischen Mitbewerbern dm und BIPA jedoch kein allzu großes Interesse an Standorten nachgesagt. Auch die drittgrößte deutsche Drogeriemarktkette Rossmann hatte vergangene Woche eine Expansion nach Österreich ausgeschlossen. Experten sehen die Zukunft für Schlecker- Österreich daher "sehr skeptisch".
Hierzulande befinde sich die Drogeriekette zwar nicht in einem Insolvenzverfahren, aber dass sie nicht betroffen sei, könne man nur schwer behaupten, so ein Brancheninsider. Seit zehn Tagen gebe es von der Schlecker- Geschäftsführung in Österreich keine Informationen zur Situation hierzulande. "Das Schweigen ist nicht positiv zu interpretieren."
Zu Umsatz und Ausmaß der Verluste schwieg sich indessen auch die Unternehmensspitze in Deutschland weiter aus. Um den Fortbestand der Drogeriekette zu sichern, soll der vorläufige Insolvenzverwalter nun weitreichende Befugnisse bekommen. Hoffnungen gibt es auch, dass die Lieferanten mitziehen. "Alle Lieferanten haben sehr schnell zu verstehen gegeben, dass sie ein großes Interesse am Weiterbestehen der Drogeriekette Schlecker haben", erklärte Geiwitz.