Missbrauchsfälle
Papst entschuldigt sich erstmals bei den Opfern
Er bitte Gott und die Opfer um Vergebung, sagte der Papst. Es seien "Sünden von Priestern" ans Licht gebracht worden. "Auch wir bitten Gott und die Betroffenen um Vergebung und versprechen, dass wir alles tun wollen, um sicherzustellen, dass ein solcher Missbrauch nicht wieder vorkommt", erklärte Benedikt. Den Skandal nannte er einen Ruf nach einer Reinigung der Kirche. Den genauen Wortlaut der Rede findest du in der Infobox.
Das kirchliche Priesterjahr war überschattet von der Aufdeckung Hunderter Missbrauchsfälle und der zögerlichen Reaktion des Vatikans auf die Vorwürfe. Nach anfänglichem Schweigen hatte Benedikt im Mai auf dem Weg zu einem Besuch in Portugal eingeräumt, dass "die Sünde in der Kirche selbst existiert". Aus den Reihen des Vatikans hatte es zunächst geheißen, die Medien und antikatholische Lobbygruppen seien für den Skandal verantwortlich.
Außerdem hatte Benedikt XVI. den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche lediglich "aufrichtig bedauert". In einem mit Spannung erwarteten Hirtenbrief an die Opfer des Missbrauchs in Irland hatte der Papst im März beispielsweise "im Namen der Kirche offen die Schande und die Reue, die wir alle fühlen" ausgedrückt.
Vorheriger Hirtenbrief hatte Enttäuschung ausgelöst
Betroffene kirchlicher Gewalt in Österreich reagierten damals mit "großer Enttäuschung". "Wir wollen keine salbungsvollen Worte mehr. Das 'Erschüttert-Sein' allein bedeutet noch gar nichts", hieß es in einer Stellungnahme mehrerer Missbrauchsopfer, die sich in der Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" zusammengeschlossen haben.
Die Plattform "Wir sind Kirche" vermisste vor allem konkrete Veränderungen. Der Papstbrief sei zwar "von hoher Anteilnahme und einfühlsamen Worten an die Opfer und Strenge gegenüber den Tätern geprägt" gewesen. Aber "er ist in einer spirituellen Sprache abgefasst, die nichts Konkretes aussagt und die keinerlei Veränderungen erwarten lässt."
"Wir erwarten eine Entschuldigung für die Rolle der Kirche"
Andrew Madden, ein früherer Messdiener in Irland, der 1995 als eines der ersten Missbrauchsopfer an die Öffentlichkeit ging, sagte im März: "Der Papst muss sich bei mir nicht für die Täter entschuldigen. Ich, wie Tausende unbekannte Opfer, wollen vom Papst eine Entschuldigung für die Rolle, die die kirchliche Hierarchie beim Schutz der Täter auf Kosten der Kinder gespielt hat. Das ist der wahre Skandal, und der Papst ist darin verwickelt. Er ist kein unschuldiger Zuschauer."
Der irische Opferverband "One in Four" bedauerte nach dem Hirtenbrief das Fehlen einer Entschuldigung für die "niederträchtige" Weise, in der Missbrauchsopfer zurückgewiesen oder zum Schweigen gebracht worden seien, wenn diese versucht hätten, sich über Kirchenverantwortliche zu beschweren. Dies sei "äußerst schmerzlich", sagte die Geschäftsführerin Maeve Lewis. Der Papst habe es versäumt, die "vorsätzliche Politik" anzusprechen, mit der "die katholische Kirche auf den höchsten Ebenen Sexualstraftäter geschützt" habe.







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