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Müllkrise in Neapel: Bewaffnete Eskorte für Müllwagen

23.06.2011, 10:28
Müllkrise in Neapel: Bewaffnete Eskorte für Müllwagen (Bild:  (Bild: EPA))
In Neapel eskaliert eine neue Müllkrise. 2.500 Tonnen Unrat türmen sich wieder auf den Straßen der Vesuvstadt. In der Region Kampanien sind es laut Medien 10.000 Tonnen. Bewaffnete Wachleute sollen nun in der süditalienischen Stadt Müllwagen eskortieren. Dies sei nötig, weil organisierte Banden die Müllkrise weiter anheizen würden, sagte der neu gewählte Bürgermeister Luigi de Magistris am Donnerstag.

"Wir werden die Polizei bitten, bewaffnete Wachen für die Lastwagen zu stellen", sagte de Magistris bei der Unterzeichnung einer entsprechenden Verordnung, die für einen Monat gilt. Der Mafiaorganisation Camorra warf de Magistris vor, gegen ihn zu sein, weil er eine "Umweltrevolution" anstrebe, die die Gesetze zur Entsorgung und zum Recycling von Abfällen verschärfen und der Mafia damit eine Geschäftsgrundlage entziehen werde. Das Geschäft mit der Müllentsorgung ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Camorra.

Wütende Bürger setzten Müllberge in Brand

Wegen der Sommerhitze verbreitet sich ein unerträglicher Gestank. 64 Mal musste die Feuerwehr in der Nacht auf Donnerstag ausrücken, um Brände zu löschen, nachdem wütende Bürger riesige Müllberge auf der Straße in Brand gesetzt hatten. Angesichts der sommerlichen Temperaturen in Süditaliens größter Metropole wächst aber auch die Sorge vor Krankheiten. "Die sanitäre und Umweltsituation ist ernst. Es gibt ein wahres Risiko für die Gesundheit der Bürger."

"Wenn der Unrat nicht bald von den Straßen geräumt wird, besteht Epidemiegefahr. Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und andere Lokale könnten zur Schließung gezwungen werden", warnte Maria Triassi, Expertin an der neapolitanischen Universität. Eine Gruppe neapolitanischer Ärzte plant eine Sammelklage wegen der Gesundheitsschäden, die der Unrat auf den Straßen für die öffentliche Gesundheit verursacht.

In den vergangenen Tagen war es wiederholt zu Bürgerprotesten in einigen Vierteln Neapels gekommen. So hatten wütende Bürger am Montag die Bahnstrecke zwischen Neapel und der Stadt Caserta blockiert, indem sie Müllcontainer auf die Schienen geworfen hatten.

Politiker schieben sich gegenseitig die Schuld zu

Der italienische Premier Silvio Berlusconi, der im Mai 170 Soldaten zur Räumung der Straßen Neapels vom Müll eingesetzt hatte, beschuldigte Bürgermeister De Magistris der Ineffizienz. "Der Bürgermeister hat nichts unternommen, um die Straßen vom Unrat zu befreien. Ich sehe, dass ich mich darum kümmern muss", sagte Berlusconi. Der Bürgermeister erwiderte, die Regierung habe Neapel sich selbst und seinen Problemen überlassen.

Probleme mit der Abfallentsorgung belasten Neapel seit Jahren. Der Bau einer Müllverbrennungsanlage in Acerra hat das Problem nur teilweise gelöst. Die Abfallentsorgung hängt zum Großteil von chronisch überlasteten Mülldeponien ab. In den vergangenen Monaten hatten sich wieder hohe Müllberge aufgetürmt. Im Mai rückte gar die Armee aus, um der Situation Herr zu werden.

AG/red
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