„Operation Psycho“

Jurist baute „Gras“ um 4,5 Millionen Euro an

Wien
11.06.2026 17:48

Die hochprofessionelle Art und Weise, wie ein 42-jähriger Jurist und zwei weitere Wiener mitten in Liesing Cannabis in Industriemengen produzierten und verkauften, überraschte sogar die Ermittler. Eine Tonne „Gras“ wurde sichergestellt, ebenso 1,4 Millionen in bar. Die Flucht des Juristen gelang, er wurde auf einer kroatischen Insel verhaftet.

Schon seit vielen Jahren wurde in einer Industriehalle unweit der Liesinger Perfektastraße durch eine Firma legales CBD angebaut. Als drei Wiener (42, 46, 55) zu Ohren bekamen, dass jene Firma in finanziellen Schwierigkeiten sei, gaben sie sich als Investoren aus. Und versprachen, am Standort weiterhin lediglich nicht berauschendes CBD zu produzieren. Dass sich das Trio nicht an seine Versprechen halten würde, dachte 2024 noch niemand. 

Die Ermittler erstellten sogar ein virtuelles Modell der riesigen Aufzuchtanlage.
Die Ermittler erstellten sogar ein virtuelles Modell der riesigen Aufzuchtanlage.(Bild: LPD Wien)

Straßendealer führte die Polizei zum großen Erfolg
Die Polizei kam den illegalen Umtrieben in der Firma durch einen Scheinkauf bei einem Straßendealer auf die Schliche – der Name „Psychonaut“ fiel. Es war der Spitzname eines 46-Jährigen, der innerhalb der Drogenszene als äußerst kleinlich, paranoid und kontrollierend gegolten hatte. Die Spur führte zu dem Industriebetrieb, von dem ein auffällig starker Cannabisgeruch ausging. Für eine Amtshandlung reichte dies jedoch noch nicht, da offiziell eine CBD-Produktion angemeldet war. 

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Wer glaubt, Cannabis-Kriminalität ist ein Kavaliersdelikt, verkennt die Realität der organisierten Kriminalität.

Wiens Vize-Polizeipräsident Dieter Csefan

„Psychonaut“ kümmerte sich um die Produktion
Die Ermittler des Landeskriminalamtes, Außenstelle Zentrum/Ost, legten sich auf die Lauer, beobachteten sämtliche Personen und Fahrzeuge, durchwühlten den Müll. Rund zehn aus Bosnien und Serbien stammende Männer gingen ein und aus – sie waren als „Gärtner“ angestellt, die sich um die Aufzucht einer gewaltigen Menge an Cannabisstauden unter höchst professionellen Bedingungen kümmerten. Auch der „Psychonaut“ hielt sich bis zu zwölf Stunden täglich in der Halle auf, trug Kartons mit vier bis zehn Kilo Cannabis zu seinem Auto. Für den Verkauf wurden auch drei weitere Lagerräume im Wiener Stadtgebiet angemietet. 

1,2 Millionen Euro Bargeld, Schusswaffen, Goldbarren: Für die drei Wiener war der Anbau ein ...
1,2 Millionen Euro Bargeld, Schusswaffen, Goldbarren: Für die drei Wiener war der Anbau ein lukratives Geschäft.(Bild: LPD Wien)

„Gärtner“ wohnten sogar in der Produktionshalle
Am 9. September 2025 kam es dann zum großen Zugriff in der 3200 Quadratmeter großen Halle, in der es sogar Unterkünfte für die „Gärtner“ mit Flatscreens und Waschmaschinen sowie ein Ersatzteillager gab. Neun „Gärtner“ wurden festgenommen, auch zwei der drei Geschäftsführer gingen ins Netz. Der Kopf der Bande, jener 42-jährige Jurist, setzte sich jedoch ins Ausland ab. Er wurde schließlich dank eines Verbindungsbeamten auf der kroatischen Urlauberinsel Hvar ausgeforscht, festgenommen und im Februar 2026 an Österreich ausgeliefert. 

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Drogenkriminalität ist für uns immer wie ein Puzzle, dem die Randstücke fehlen. 

Martin Roudny, Leiter LKA Wien, Außenstelle Zentrum/Ost

1,4 Millionen Euro in Tiefkühlsackerl gestopft
Für die heimischen Behörden handelt es sich um einen der größten Schläge gegen die österreichische Drogenkriminalität. Eine Tonne Cannabiskraut, darunter 9720 Stauden, wurde sichergestellt (Verkaufswert: 4,5 Millionen Euro), ebenso 1,4 Millionen Euro Bargeld, teils in Plastiksackerln, eine Rolex-Uhr, Goldbarren, gefälschte Ausweise und eine zur Fahndung ausgeschriebene Glock-Pistole. Ein Großabnehmer wurde gefasst, nun müssen sämtliche Geldflüsse der Bande, die über die Jahre wohl 3,5 bis vier Millionen Euro Gewinn gemacht haben dürfte, ausgeforscht werden. 

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