Sündenböcke

Dutzende christliche Kirchen in Ägypten verwüstet

Ausland
16.08.2013 11:26
In vielen Teilen Ägyptens ist unter den koptischen Christen derzeit Aufräumen angesagt: Nachdem die Polizei mit der gewaltsamen Auflösung der Protestlager der Islamisten in Kairo begonnen hatte, attackierten Sympathisanten der Protestierenden am Mittwoch und Donnerstag Gotteshäuser und andere Einrichtungen der christlichen Minderheit in neun Provinzen. Die Christen sollen zu Sündenböcken gemacht werden und es drohe weitere Gewalt, so die Befürchtungen.

Bei den Attacken wurden nach Angaben der Polizei und christlicher Aktivisten am Mittwoch und Donnerstag mehr als 40 Kirchen verwüstet. Bischof Angaelos, der in Kairo geborene Bischof der orthodoxen Christen in Großbritannien, sprach gegenüber der BBC von 52 Angriffen auf Kirchen binnen 24 Stunden.

Angriffe auf Kirchen, Schulen, Häuser, Geschäfte
Die Angreifer warfen unter anderem Brandbomben auf die Kirchen, zahlreiche weitere Gotteshäuser wurden leicht beschädigt. Neben Gotteshäusern attackierten die Extremisten christliche Schulen und Gemeindezentren. In Suez wurde eine Schule der Franziskaner angezündet. In den südlichen Provinzen Al-Minya und Luxor zerstörten radikale Islamisten zudem Häuser, Autos, Geschäfte und Nil-Ausflugsbote, die Christen gehören. In Luxor zündeten sie zwei Etagen eines Hotels an, das einem Christen gehört. Touristen wurden nicht verletzt.

Kopten als Sündenböcke
Der Koordinator der ägyptischen Bewegung gegen religiöse Diskriminierung, Munir Megahed, hatte vor Beginn des Polizeieinsatzes gegen die Protestlager der Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi berichtet, es habe in den letzten Wochen verstärkt Drohungen gegen Christen gegeben. Megahed sagte damals: "Die Kopten dürfen nicht zu Sündenböcken werden."

Bischof: Angriffe sollen Gewaltspirale antreiben
Auch Bischof Angaelos warnte schon letzte Woche, es gebe ein "sehr reales Risiko für das Leben jedes Christen" in Ägypten. Nach den Attacken verlangt er laut BBC eine vollständige Untersuchung. Schließlich spreche das Ausmaß der Angriffe dafür, dass diese geplant und nicht einfach ein Nebenprodukt der Proteste gewesen seien. Er vermute, dass mit dem Angriff auf die Kirchen die Gewaltspirale angetrieben werden solle - "ein sehr gefährliches Spiel".

Minderheit seit Jahrzehnten in Bedrängnis
In Ägypten gibt es seit Jahrzehnten Spannungen zwischen Muslimen und Christen. Die Situation habe sich seit dem Sturz von Hosni Mubarak 2011 jedoch verschlechtert, so Angaelos. Seither seien mehr Christen getötet worden als in den 20 Jahren davor. Der bisher blutigste Angriff erfolge im Jänner 2011, als bei einem Bombenangriff auf eine große Kirche in Alexandria 21 Menschen starben. Laut Angaelos sind etwa 15 bis 20 Prozent der Ägypter Christen, Schätzungen aus den USA zufolge sind es zwischen fünf und zehn Prozent.

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