Nur "AA+" statt "AAA"

S&P stuft auch Rettungsschirm EFSF herab

Ausland
17.01.2012 13:00
Die Ratingagentur Standard & Poor's hat am Montag auch die Kreditwürdigkeit des Euro-Rettungsschirms EFSF herabgestuft. S&P senkte das Rating von der Bestnote "AAA" auf "AA+", wie EFSF-Verantwortliche in Luxemburg mitteilten. S&P begründete den Schritt damit, dass österreichische und französische Anleihen ihre Top-Bonität verloren hätten - Anleger orientierten sich an dieser Einstufung und könnten künftig deshalb höhere Zinsen für EFSF-Anleihen verlangen.

Der EFSF wies unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung von S&P darauf hin, dass die beiden anderen Bonitätswächter, Moody's und Fitch, den Fonds weiterhin mit dem Spitzenrating bewerten. "Keine der beiden Ratingagenturen hat irgendeine Entscheidung über den EFSF in unmittelbarer Zukunft angekündigt", hieß es in einer Mitteilung.

Beschwichtigungen von allen Seiten
EFSF-Chef Klaus Regling unterstrich, dass der Fonds weiter handlungsfähig bleibe und über ausreichende Mittel verfüge, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die Kreditkapazität von 440 Milliarden Euro werde durch die Herunterstufung durch S&P nicht verringert. "Der EFSF hat genug Mittel, um seine Verpflichtungen unter den laufenden und potenziellen künftigen Anpassungsprogrammen zu erfüllen, bis der ESM seine Arbeit im Juli 2012 aufnimmt." 

Auch die Regierungen Deutschlands und Frankreichs betonten, dass die Finanzierung des Fonds sicher sei. Es müsse sich nichts am Volumen des Hilfsfonds ändern. Ins gleiche Horn stießen Österreichs Regierung oder etwa Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker.

Standard & Poor's hatte Frankreich und Österreich am Freitag vom Spitzenrating herabgestuft sowie sieben weiteren Euro-Staaten wegen wachsender Risiken in der Schuldenkrise schlechtere Noten verpasst (siehe Infobox). Da die Bestnote für den EFSF maßgeblich von der Bewertung der beteiligten Staaten abhängt, war absehbar, dass auch der Fonds zurückgestuft würde.

S&P und Fitch: Griechenland "sehr bald" pleite
Ferner gab Standard & Poor's am Montag bekannt, dass Griechenland nach ihrer Einschätzung kurz vor einer Pleite stehe. Wegen der hohen Verschuldung werde dies "sehr bald" geschehen.

Am Dienstag schloss sich dann auch die Ratingagentur Fitch dieser Meinung an. "Es wird passieren. Griechenland ist insolvent und muss deshalb die Pleite anmelden", sagte Edward Parker, für Europa zuständiger Fitch-Abteilungsleiter. Selbst eine freiwillige Gläubiger-Beteiligung könne dies nicht mehr abwenden. Allerdings werde der Bankrott voraussichtlich in einem geordneten Prozess ablaufen.

Die Gespräche über die Gläubigerbeteiligung stecken in einer Sackgasse und gefährden die Rettung des Landes. Die Regierung in Athen muss innerhalb weniger Tage eine Einigung vorweisen, um nicht Ende März vor der Pleite zu stehen, wenn 14,5 Milliarden Euro an Anleihen fällig werden.

Warnung vor "Katastrophenszenarios"
Der Leiter des S&P-Länderbereichs Europa, Moritz Krämer, rechtfertigte die Entscheidungen seiner Agentur am Montagabend in der ORF-"ZiB 2" und warnte vor Übertreibungen und "Katastrophenszenarios". Im Falle von Österreich etwa sei etwa lediglich von der Schulnote "1+" auf "1" herabgestuft worden.

Einmal mehr erwähnte Krämer zwar die Sparmaßnahmen einzelner europäischer Länder positiv, kritisierte aber "Fehldiagnosen" auf gesamteuropäischer Ebene.

EZB-Boss will "ein Leben ohne Ratings"
EZB-Chef Mario Draghi stellte indes die Ratingagenturen generell infrage. Bei einer Debatte am Montag im EU-Parlament in Straßburg sagte er: "Im Grunde genommen sollten wir versuchen, ohne Ratings zu leben." Zumindest solle die Bedeutung der Ratingagenturen "doch sehr viel eingeschränkter" sein als heute.

Die Ratingagenturen hätten in der Krise der letzten Monate viel von ihrem Ruf verloren, so Draghi weiter. "Man muss die Frage stellen, wie wichtig die Ratings für Investoren, Märkte und die regulierenden Behörden sind." Tatsächlich hätten die Märkte den Ratings vorgegriffen und Vermögen anders bewertet, "als ob die Herabstufung schon vor einiger Zeit stattgefunden hätte".

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