Verhaftung blockiert
Karadzic-Festnahme von Westmächten blockiert
Hartmann (im Bild rechts bei einer Buchpräsentation 2007) zufolge hatte die Den Haager Anklagebehörde die Amerikaner wiederholt über den genauen Aufenthaltsort von Karadzic informiert, sie hätten allerdings nichts unternommen. Und zwar über Jahre! Zwei Mitarbeiter des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA sollen im Sommer 2005 die bosnische Polizei sogar dazu aufgefordert haben, die von Tribunalschefanklägerin Carla del Ponte beantragte Observierung der Familie Karadzic' einzustellen, sagte Hartmann der serbischen Tageszeitung "Blic".
Verhaftung in Spital verhindert
2004 hätten die Amerikaner durch Intervention eine geplante Verhaftung in Belgrad abblasen können. Karadzic habe sich in einem Krankenhaus in der serbischen Hauptstadt behandeln lassen - das heißt, man kannte wohl damals schon seine Tarnung als Dragan Dabic - und einige Mitglieder der serbischen Regierung wären sogar bereit gewesen, den als Kriegsverbrecher gesuchten Ex-Präsidenten der serbisch-bosnischen Enklave Republika Sprska zu verhaften.
Massive Eingriffe in Ermittlungsarbeiten soll es nicht nur in Serbien, sondern zuvor auch in Bosnien gegeben haben. "Del Ponte besaß die Information, dass die Familie Kontakte zu Karadzic unterhielt. Sie sagte der bosnischen Polizei, dass dies der Weg sei, sehr leicht an Karadzic zu gelangen", sagte Hartmann zu "Blic". "Offensichtlich besaß dieselbe Information auch die CIA, die Karadzic nicht in Den Haag sehen wollte." Und der lange Arm der Amerikaner reichte bis in die bosnische Geheimpolizei: Nach Worten der Sprecherin Del Pontes wurde der Chef der bosnischen Geheimpolizei Momir Munibabic auf Antrag des damaligen internationalen Bosnien-Beauftragten Paddy Ashdown (2002-2006) abgesetzt, nachdem er große Fortschritte bei der Fahndung nach Karadzic gemacht habe.
"Seine Aussage stellt ein großes Risiko dar"
"Jetzt, wo Karadzic endlich festgenommen worden ist, kann er sehr viel über die Geheimabsprachen erzählen, die auch zum Fall der UNO-Schutzzone Srebrenica (im Sommer 1995) geführt haben. Für die westlichen Großmächte stellt seine Aussage ein großes Risiko dar. Bisher hat es keine festen Beweise dafür gegeben, dass die westlichen Staaten Srebrenica für die Mitarbeit der Serben am Friedensprozess übergeben haben", ist Hartmann überzeugt.
Die These, dass Frankreich, die USA, Großbritannien und Russland die mutmaßlichen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Karadzic und General Ratko Mladic bewusst laufen ließen, vertritt Hartmann auch in ihrem im Herbst des Vorjahres erschienenen Buch "Friede und Bestrafung" ("Paix et Chatiment"/Verlag Flammarion). Hartmann war von 2000 bis 2006 Sprecherin Del Pontes, davor arbeitete die französische Journalistin für die Tageszeitung "Le Monde".







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