Nur rund 80 Kilometer vor der Küste liegt den Angaben zufolge ein sogenannter Hotspot (im Bild: seismografische Aufzeichnungen des Tsunami- Bebens von 2004). Der Graben hat sich seit 300 Jahren nicht mehr gerührt. Tut er dies aber - die Wahrscheinlichkeit, dass das in den nächsten 50 Jahren passiert, hat sich angesichts der letzten Erdstöße auf 80 Prozent erhöht -, wären die Folgen verheerend.
Jüngste Computersimulationen eines Bebens der Stärke 9 kamen zu dem Ergebnis, dass der Erdstoß den Boden zwei bis fünf Minuten erzittern lassen würde. Er wäre stark genug, schlecht gebaute Gebäude von der kanadischen Provinz British Columbia bis nach Nordkalifornien zum Einsturz zu bringen und an Autobahnen und Brücken schwere Schäden anzurichten.
Das Beben würde außerdem in wenigen Minuten einen Tsunami in Richtung Küste jagen. Während Großstädte wie Portland und Seattle vor schweren Überflutungen geschützt wären, seien niedriger gelegene Küstenorte akut gefährdet.
Das letzte Monsterbeben in der Region schlug 1700 zu. Der Erdstoß der Stärke 9 ließ neun bis zwölf Meter hohe Wellen an die Küste krachen. Der Tsunami raste außerdem quer durch den Pazifik und verwüstete japanische Küstenstädte.
Es bestehe eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent, dass das südliche Ende der Verwerfungszone (Stichwort: San Andreas Graben) vor Süd- Oregon und Nordkalifornien in den nächsten 50 Jahren breche und ein Megabeben produziere, erklärte der Geologe Chris Goldfinger von der Oregon State University.
Bei einer Fachtagung im vergangenen Jahr kamen Experten zu dem Schluss, dass die Wolkenkratzer in Seattle, die vor 1994 errichtet wurden, bei einem Superbeben stark gefährdet sind. Die danach gebauten Hochhäuser gelten als sicherer, da damals die Bauvorschriften verschärft wurden.
Die Katastrophenschutzbehörden in den Staaten Oregon und Washington wissen um die Gefahren. Derzeit wird daran gearbeitet, Schulen, Krankenhäuser und andere Gebäude so zu verstärken, dass sie einem starken Beben besser widerstehen können.
Das schwere Erdbeben in Chile hat einem Experten der US- Raumfahrtbehörde NASA zufolge zu einer Verschiebung der Erdachse geführt. Durch das Beben der Stärke 8,8 habe sich die Achse nach Berechnungen des Wissenschaftlers Richard Gross um acht Zentimeter verschoben, erklärte die NASA am Dienstag. Sollte sich dies bestätigen, würde das laut Gross bedeuten, dass die Tage künftig um 1,26 Mikrosekunden kürzer sind.
Eine Mikrosekunde entspricht dem millionsten Teil einer Sekunde. Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse. Verändert sich deren Lage, verändert sich auch die Art der Rotation und entsprechend die Dauer der Tage. Durch das Erdbeben der Stärke 9,1 im Dezember 2004 im Indischen Ozean waren die Tage um 6,8 Mikrosekunden kürzer geworden.