Online-Petition

Arbeiter fordert von Amazon-Chef Kollektivvertrag

Web
13.11.2014 13:54
"Ich bin der Meinung, dass ein großer und erfolgreicher Arbeitgeber wie Amazon uns Mitarbeiter respektieren und mit uns auf Augenhöhe verhandeln sollte." Mit diesen Worten fordert ein Mitarbeiter des US-Versandhändlers aus Deutschland in einer Online-Petition von Amazon-Chef Jeff Bezos einen Tarifvertrag für sich und seine Kollegen. Binnen weniger Tage unterzeichneten die Petition bereits über 12.600 Menschen, bis Weihnachten sollen es 50.000 sein.

"Behandeln Sie die Amazon-Mitarbeiter/innen fair!", fordert Christian Krähling, 36 Jahre alt und Vater zweier Kinder, in seiner Petition auf change.org. Angefangen hatte er vor fünf Jahren am Amazon-Standort Bad Hersfeld als Weihnachtsaushilfe bei der Einlagerung von Waren, mittlerweile bearbeitet er Kundenanfragen. Er arbeite gerne bei Amazon, versichert er. Der Job sei aber hart.

Krähling berichtet in seiner Petition von einer hohen Krankenquote von teils 20 Prozent und darüber an manchen Tagen. "Ein großer Teil" der Kollegen sei befristet eingestellt, viele nur bis zu zwei Jahre. Sie könnten ihr Leben nicht planen. Jeder Arbeitsschritt werde überwacht, jeder solle "über dem Durchschnitt liegen, aber das ist mathematisch unmöglich!".

"Schutzlos" ausgeliefert
Für ihre gute Leistung hätten die Beschäftigten von Amazon "das Recht verdient", bei ihren Arbeitsbedingungen mitzubestimmen, schrieb Krähling. Einen echten Tarifvertrag hätten die Mitarbeiter aber nicht: "Meine Amazon-KollegInnen und ich stehen damit dem weltgrößten Online-Versandhändler schutzlos gegenüber. Regelmäßige Lohnerhöhungen, Urlaubsansprüche, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Zuschläge, mehr Urlaubstage und eine Begrenzung der Befristungen auf ein vernünftiges Maß - das alles würde uns ein Tarifvertrag garantieren."

Frank Bsirske, Chef der deutschen Gewerkschaft Verdi, sicherte der Kampagne seine Unterstützung zu. Es sei das erste Mal in Deutschland, dass ein Amazon-Mitarbeiter eine Online-Petition an seinen Arbeitgeber richte. Verdi kämpfe mit den Beschäftigten für Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft tut dies seit Frühjahr 2013 und ruft immer wieder zu Streiks auf, um diese Forderung durchzusetzen - bisher vergeblich.

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