Das Grundgerüst des Bühnenbilds ist schlicht gehalten. Links eine rote Mauer, in der Mitte das Feldlager des Zarewitsch und rechter Hand ein paar sanfte Hügel, die ein bisschen an eine Mondlandschaft erinnern. Einzelne Elemente, wie das Bernstein-Zimmer oder der Umkleideraum der Tänzerinnen werden links und rechts auf die Bühne geschoben und verschwinden nach ihrem Einsatz wieder. Es wirkt nichts überladen - im Mittelpunkt steht die Geschichte des stillen Zarewitsch und seiner temperamentvollen Sonja.
Aus Freundschaft wird Liebe
Der äußerst schüchterne Zarewitsch, der Frauen so was von überhaupt nicht zugeneigt ist, steht vor der Zwangs-Verlobung, lernt dann aber beim Fechten die reizende Tänzerin Sonja kennen. Sie soll ihn für seine künftige Ehefrau "tauglich" machen und steht ihm fortan als seine weibliche Begleiterin zur Seite. Im Bett spielt sich nichts ab, jedoch entwickelt sich nach freundschaftlichen Gefühlen eine ganz besondere Liebe. Als der Zarewitsch erfährt, dass er einer standesgemäßen Frau versprochen ist und Sonja dafür verlassen muss, beschließt er, mit ihr nach Neapel zu flüchten. Und genau hier endet in Mörbisch die Geschichte der beiden.
Das ungleiche Paar ist mit Tiberius Simu und Alexandra Reinprecht ideal besetzt. Der gebürtige Rumäne wirkt durch seinen Akzent besonders authentisch. Reinprecht verpasst ihrer russischen Sonja ab und an einen Wiener Einschlag. Die Show stiehlt den beiden zunächst aber der Hausherr selbst: Serafin in der Rolle des Großfürsten inszeniert sich selbst so, wie ihn die Menschen kennen: Charmant zu den Damen und für die Herren immer einen flotten Spruch auf der Lippe.
Holender-Spott noch vor der Premiere
Diesen flotten Spruch bewies Serafin auch bei seiner mittlerweile beinahe gefürchteten Ansprache vor Beginn der Vorstellung. Die angereisten Landes- und Bundespolitiker sowie die zahlreiche Prominenz blieb dieses Mal aber größtenteils verschont. Abgesehen hatte es der Intendant diesmal nur auf Ioan Holender. "Du bist ja braun gebrannt - wie ein richtiger Tennislehrer eben", meinte Serafin zum Ex-Staatsopernchef und setzte dann noch nach: Er selbst hätte zwar nie eine Einladung vom ihm bekommen, aber umgekehrt gab's für Holender trotzdem zwei Freikarten für die Premiere.
Viele Lacher erhielt auch Marko Kathol als Diener Iwan. Als eifersüchtiges und schnell eingeschnapptes "Waschweib" bringt sich Kathol äußerst gekonnt in das Stück ein. Ähnlich wie sein Herr findet auch Iwan kein besonders großes Interesse am weiblichen Geschlecht - obwohl er verheiratet ist. Doch seine dominante Ehefrau Mascha - dargestellt von Sieglinde Feldhofer - lässt ihm das nicht durchgehen, sucht ihn auf und kämpft in einem herrlich erheiternden Ehestreit um ihr Recht auf den Vollzug der Ehe.
Russische Folklore mitten im Burgenland
Sowohl die beiden als auch Dutzende Tänzer und Akrobaten schmeißen ihre Beine in die Luft und unterhalten das Publikum mit ihren Einlagen. Von russischer Folklore inspirierte Tänze laden zwar zum Mitklatschen ein, die Gäste sind zu Beginn allerdings noch etwas schüchtern, um sich derart in das Stück einzubringen. Besonders nennenswert: Der Tanz der Babuschkas zu Ehren des Zarewitsch. In trippelnden aber flotten Schritten wird entzückend zu den Klängen des Orchesters unter der Musikalischen Leitung von Wolfdieter Maurer getanzt und damit ein Hauch Russland ins Burgenland geholt.
Das Publikum hätte gerne noch mehr dieser Einlagen und noch mehr vom Liebespaar gesehen. Und wahrscheinlich wäre es ihm auch lieber gewesen, der Geschichte wegen die eine oder andere Träne zu vergießen und nicht wegen der geplatzten Premiere. Einzig ein Gutes hatte das abrupte Ende: Sonja und ihr Zarewitsch wurden nicht getrennt. Die beiden bestiegen das Schiff für ihre Flucht nach Neapel, blickten noch einmal zurück und begaben sich auf eine Reise der wahren Liebe - auf stürmischer See.
von Kathrin Spaltl/APA
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