Das freie Wort

Egal, ob Trump oder Biden

Mit Spannung blickt die Welt auf die bevorstehende Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten. Es ist ziemlich egal, ob Trump oder Biden das Rennen macht, für beide stehen die Interessen der Vereinigten Staaten an erster Stelle und „America first“ ist bei beiden oberste Priorität. Der Unterschied liegt in der Art, wie das kommuniziert und umgesetzt wird. Trump agiert mit dem verbalen Holzhammer und kümmert sich weder um Partnerschaften noch um internationale Vereinbarungen. Sollte er wieder Präsident werden, wird er noch egomanischer handeln, es ist bekanntlich seine letzte Amtsperiode. Joe Biden ist der große Unbekannte, er wird anders sein, jedenfalls aber den amerikanischen Weg fortsetzen. Jeder US-Präsident ist so wie bisher vor allem der Finanzwelt und der Rüstungsindustrie verpflichtet und wird wie bisher deren Erwartungen erfüllen. Europa ist für Trump und Biden der alte Kontinent. Der Kontinent gerät immer mehr aus dem Interessenbereich der Vereinigten Staaten. Deren vitale Interessen gelten künftig dem asiatischen Raum, und da vor allem dem wirtschaftlichen und geostrategischen Kampf gegen den großen Konkurrenten China. Dadurch wird Europa in eine globale Nebenrolle gedrängt und zum Spielball für die Großmächte. Die einzig richtige Antwort kann nur sein, sich der eigenen Stärken zu besinnen und geschlossen und selbstbewusst aufzutreten. Dann ist die Europäische Union ein ebenbürtiger Player, und die globale Zusammenarbeit auf Augenhöhe wird möglich. Es ist daher nicht wirklich entscheidend, ob Trump oder Biden US-Präsident ist. Der erkennbare Unterschied dürfte in der Art der Kommunikation liegen und dass manche präsidiale Maßnahme vor der Bekanntmachung oder Verfügung beurteilt und überlegt wird. Da jedoch Trump und Biden nicht wirklich einzuschätzen sind, muss sich Europa jedenfalls auf weitere vier Jahre voller Überraschungen einstellen.

Franz Peer, Linz

Erschienen am So, 6.9.2020

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