Schiff gekentert

Schiffsunglück stoppt umstrittene Robbenjagd

Ausland
30.03.2008 13:50
Am Samstag, einen Tag nach dem Start der alljährlichen Robbenjagd-Saison an der Ostküste Kanadas, hat ein tödlicher Unfall die umstrittene Jagd überschattet und vorerst so gut wie gestoppt. Taucher bargen am Samstag vor der kanadischen Küste aus einem gekenterten Schiff die Leichen von drei Robbenjägern. Nach einem vierten Vermissten wird im eisigen Wasser des St.-Lorenz-Golfs gesucht.

Das Schiff aus Quebec hatte am Freitag Probleme mit der Steuerung gemeldet und wurde von der Küstenwache abgeschleppt, als es kenterte. Zwei Besatzungsmitglieder wurden nach Angaben einer Marinesprecherin wenig später lebend geborgen. Der Zwischenfall ereignete sich rund 70 Kilometer nördlich von Cape Breton.

Das Fangschiff gehörte zu einer Gruppe von 15 weiteren, die am Freitag mit rund 100 Jägern an Bord an der kanadischen Ostküste zur Robbenjagd ausliefen. Einem Sprecher der kanadischen Regierung zufolge setzte nach dem tödlichen Zwischenfall die Mehrheit der Roggenfängerboote die Jagd aus Solidarität zunächst aus. Nur drei oder vier Schiffe seien noch auf See. Die Jagd wird außerdem durch dickes Eis und schlechtes Wetter beeinträchtigt, das weiter andauern soll.

275.000 Tiere zur Jagd freigegeben
Das Fischereiministerium hatte schon vor zwei Wochen 275.000 Sattelrobben zur Jagd freigegeben. Das sind 5.000 mehr als im vergangenen Jahr. Erstmals werden die Jäger 2008 unter anderem verpflichtet, die Schlagader der Tiere zu durchtrennen, um sie ausbluten zu lassen. Damit wollen die Behörden sicherstellen, dass die Robben wirklich tot sind, ehe sie gehäutet werden.

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) kritisierte die neuen Regularien als weitgehend unwirksam. "Bisherige Regeln wurden kaum beachtet, warum sollte das nun anders sein?", sagte IFAW-Robbenexperte Ralf Sonntag. Zudem würden weiterhin manche Tiere lebend mit Stahlhaken zu Sammelstellen gezogen und erst dort getötet.

Tiere werden brutal totgeprügelt
Die EU-Kommission wirft Kanada "unmenschliche" Methoden bei der Jagd auf Robben vor. "Wir sind besorgt über die Art und Weise, wie die Tiere mit Schlägen gegen den Kopf getötet werden", sagte die Sprecherin von Umweltkommissar Stavros Dimas am Freitag in Brüssel. Die EU-Behörde wolle im Sommer ein offizielles Papier vorlegen, in dem das sogenannte Clubbing als grausame Jagdtechnik kritisiert werde. Die genaue Formulierung des Texts sei derzeit aber noch offen. Maßnahmen gegen Kanada würden derzeit jedoch nicht diskutiert, hieß es ergänzend aus der Behörde.

Vor allem die Modeindustrie in Norwegen, Russland und China ist an Robbenfellen interessiert. Die USA haben dagegen bereits 1972 ein Importverbot für kanadische Robbenprodukte verhängt. Die EU-Kommission warf Kanada zwar "unmenschliche" Methoden bei der Jagd auf Robben vor. Konkrete Maßnahmen gegen das Land würden derzeit jedoch nicht diskutiert, hieß es. Bisher haben Belgien und die Niederlande die Einfuhr von Robbenprodukten verboten, Deutschland arbeitet an einem entsprechendem Gesetz.

Minister verteidigt Robbenjagd
Die Robbenjagd beginnt traditionell im Golf von St. Lorenz. Etwa 30 Prozent der freigegebenen Tiere werden hier erlegt. Die restlichen 70 Prozent stammen aus der Region nordöstlich von Neufundland, wo die Jagd erst im April beginnt. Minister Hearn betonte erneut, der Robbenfang sei für viele Menschen in den entlegenen Küstenregionen lebenswichtig. Im Jahr 2006, als noch 335.000 Tiere getötet werden durften, wurden die Einnahmen auf insgesamt 25 Millionen kanadische Dollar (rund 15 Millionen Euro) geschätzt.

Schätzungen zufolge gibt es in Kanada derzeit etwa 5,5 Millionen Robben. Nach Regierungsangaben waren es in den 70er Jahren, als die Jagd noch nicht reguliert war, weniger als zwei Millionen. Der Fang von Baby-Robben, die noch ein weißes Fell haben, ist seit 1987 verboten.

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