Welle der Gewalt

Kämpfe mit “Mahdi-Armee” im Irak gehen weiter

Ausland
28.03.2008 13:19
Im Irak haben sich die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der schiitischen Miliz "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada al-Sadr nach vier Tagen von Basra auf andere Städte ausgeweitet. Mehr als 150 Menschen sind nach verschiedenen Schätzungen bisher ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt.

Kämpfern der "Mahdi-Armee", die vor allem unter den ärmeren Bevölkerungsschichten Zulauf hat, gelang es am Freitag, das Stadtzentrum von Nassiriyah südlich von Bagdad einzunehmen. Flugzeuge der US-geführten Koalitionstruppen haben erstmals seit Ausbruch der Kämpfe Bomben über Basra abgeworfen. Die irakischen Sicherheitskräfte hätten um die Luftangriffe auf mindestens zwei Ziele gebeten, gab ein britischer Militärvertreter bekannt. Über mögliche Opfer konnte er nichts sagen.

Milizenführer Al-Sadr ruft zu "politischer Lösung" auf
Muktada al-Sadr hatte am Donnerstag zur Beendigung der Gewalt und zu einer "politischen Lösung" aufgerufen. Die schiitisch dominierte irakische Regierung hat den Mahdi-Milizionären Geld angeboten, falls sie ihre Waffen abgeben sollten. In einer Regierungserklärung, die am Freitag in Bagdad veröffentlicht wurde, hieß es: "Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat den Bewaffneten eine Frist von zwölf Tagen gesetzt, vom 28. März bis zum 8. April, um den Sicherheitskräften ihre mittleren und schweren Waffen auszuhändigen, dafür gibt es dann eine finanzielle Belohnung." Ein konkreter Betrag wurde nicht genannt. Damit wurde ein am Mittwoch gestelltes dreitägiges Ultimatum von der Regierung verlängert.

60.000 Mitglieder in der "Mahdi-Armee"
Für die US-Streitkräfte im Irak hatte der von Sadr im Vorjahr verkündete Waffenstillstand wesentlich zu einem deutlichen Rückgang der Gewalt beigetragen. Die "Mahdi-Armee" wird von den USA als eine vom Iran gesteuerte terroristische Organisation eingestuft. Sie wird für Folter, Entführung und Ermordung Hunderter von Sunniten verantwortlich gemacht. Die Zahl der Mitglieder dieser Miliz wird auf bis zu 60.000 geschätzt.

Bush lobt "mutigen Schritt" der irakischen Armee
Ungeachtet der schweren bewaffneten Auseinandersetzungen lobte US-Präsident George W. Bush militärische Fortschritte im Irak. Diese brächten die USA nahe an einen strategischen Sieg im Irak-Konflikt, sagte der Präsident in Dayton. Sie seien jedoch noch umkehrbar. Bush lobte den Vorstoß der irakischen Armee als "mutigen Schritt". Die "mutige Entscheidung" des irakischen Regierungschefs, die "illegalen Gruppen in Basra zu verfolgen", zeige "seine Führungskraft". 

"Das ultimative Ergebnis wird es sein, dass die Terroristen und Extremisten im Irak erkennen werden, dass sie in einer freien und demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben." Zugleich richtete er scharfe Vorwürfe an Syrien und den Iran. "Syrien und Iran müssen aufhören, Terrorismus und Gewalt im Irak zu unterstützen." Ein rascher Rückzug der US-Truppen würde die Fortschritte im Irak und den Aufbau einer Demokratie in Bagdad gefährden.

Massengrab mit 37 Toten entdeckt
Am Freitag ist nordöstlich von Bagdad ein Massengrab mit den Leichen von 37 Mordopfern entdeckt worden. Die Leichen wiesen Folterspuren wiesen und waren vor mindestens zwei Monaten nördlich der Ortschaft Al-Makdadiya vergraben worden. In der Kleinstadt hatte es in den vergangenen Monaten heftige Gefechte gegeben. US-Truppen hatten dort gemeinsam mit den irakischen Sicherheitskräften und einer lokalen Bürgerwehr gegen mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen gekämpft.

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