Ende einer Ära

Ian Paisley tritt als Regierungschef Nordirlands ab

Ausland
05.03.2008 07:42
Nordirlands Regierungschef Ian Paisley hat seinen Rücktritt angekündigt und damit das Ende einer Ära in der einstigen Konfliktregion eingeläutet. Er werde im kommenden Mai nach fast 40 Jahren als Chef der protestantischen Unionistenpartei DUP zurücktreten, sagte der 81 Jahre alte Pfarrer am Dienstagabend. Nach jahrzehntelangem Stillstand hatte Paisley im Mai vergangenen Jahres zusammen mit seinem Erzfeind Martin McGuiness, dem ehemaligen Kommandeur der Terrororganisation IRA und Sinn-Fein-Politiker, eine gemeinsame Regierung gebildet.

Dies wurde als Versöhnung zwischen den einst verfeindeten Protestanten und Katholiken in Nordirland gewertet. Nach fünf Jahren unter der Verwaltung aus London hatte Nordirland damit wieder eine eigene Regierung. Dem Nordirland-Konflikt fielen seit 1969 mehr als 3.500 Menschen zum Opfer. 

Die Grundlage für die friedliche Lösung wurde 1998 durch das Karfreitagsabkommen gelegt, an dem neben den Konfliktgegnern auch die Regierungen in Dublin und in London beteiligt waren. Der britische Premierminister Gordon Brown würdigte am Dienstag Paisleys "riesigen Beitrag" zur Politik in Nordirland.

Starrköpfiger Hardliner
Paisley prägte seit fünf Jahrzehnten die nordirische Politik. Er galt als besonders starrköpfiger Hardliner und hatte lange Zeit eine Vereinbarung mit der pro-irischen Sinn Fein Partei als "Pakt mit dem Teufel" abgelehnt, bevor er einer gemeinsamen Regierung zustimmte.

Mit dem Rücktritt gab Paisley dem seit längerem wachsenden Druck innerhalb seiner Partei nach. Dieser hatte auch mit der Rolle seines Sohnes zu tun, der wegen angeblichen Verbindungen zu Bauträgern in die Schlagzeilen geraten war und daraufhin als Juniorminister zurücktreten musste.

Robinson wahrscheinlicher Nachfolger
Als wahrscheinlicher Nachfolger Paisleys gilt der DUP-Vizechef und nordirische Finanzminister Peter Robinson. Paisley wird nach eigenen Angaben Abgeordneter bleiben. McGuinness würdigte Paisleys Verdienste in Nordirland. Seine "historische Entscheidung", mit Sinn Fein eine Regierung zu bilden, habe Nordirland "für immer" verändert. Großbritanniens ehemaliger Nordirland-Minister Peter Hain hob Paisleys "absolut historische Rolle" hervor.

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