Die Original-Vorlage lebt von der ständigen Bedrohung eines Zusammenbruchs des Turms. Langsam tastet man sich immer wieder von Block zu Block und rüttelt leicht daran, ehe man mit angehaltener Luft einen Teil des zunehmend wackliger werdenden Konstrukts herauszieht und bedacht wieder oben auf dem Turm platziert.
Die Steuerung mit Wii-Mote und Nunchuk kann diesen Nervenkitzel allerdings nicht einmal ansatzweise vermitteln. Der Grund: Es fehlt schlichtweg eine Rückmeldung, die einem mitteilen würde, wie fest ein Block wirklich sitzt bzw. wie leicht dieser zu lösen wäre. Da hilft es auch wenig, dass man mit Hilfe des Nunchucks die Kamera elegant um den Turm kreisen lassen, mit dem B-Knopf Blöcke antippen und mit Hilfe zweier Pins die um das Zielobjekt liegenden Blöcke sogar fixieren kann.
Ohne dass man wüsste, wie einem geschieht, bricht der Holzturm unter dem leicht überdramatisierten (deutschsprachigen) Kommentar des Sprechers meist binnen weniger Sekunden in sich zusammen. Dem Spieler bleibt dann nur noch eine minder spektakuläre Zeitlupen-Sequenz, in der sich der physikalisch irgendwie nicht ganz korrekt wirkende Einsturz des Holzturms genauer unter die Lupe nehmen lässt. So man das denn möchte.
Einziges Highlight bleiben da die nach und nach freischaltbaren Hintergründe sowie die im namensgebenden World-Tour-Modus verfügbaren Power-Ups, mit denen man sich kurzfristig einen gewissen Vorteil gegenüber den mit jedem Level neu auf der Matte stehenden KI-Kontrahenten - die mit dem Herausziehen von Klötzchen übrigens nicht die geringsten Schwierigkeiten zu haben scheinen - verschaffen kann. Vereiste Blöcke lassen sich dann etwa mühelos entfernen, während ein Erdbeben die Bemühungen des Gegners, den Turm nicht einstürzen zu lassen, zunichte macht.
Neben dem World-Tour-Modus stehen dem Spieler noch drei weitere Modi zur Auswahl, deren Spielprinzip sich jedoch kaum voneinander unterscheidet: "Freies Jenga" erlaubt ein ungezwungenes Spiel ohne Gegner, im Spielhallen-Modus geht es schlichtweg um das Erreichen des Highscores, wobei Zeit diesmal keine Rolle spielt, und im "Schnellen Spiel" können bis zu vier Spieler (computergesteuert oder nicht) gegeneinander antreten.
In optischer Hinsicht macht das Spiel zwar nicht gerade viel her, die ihren Zweck erfüllende Grafik darf dank der unterschiedlichen animierten Hintergründe aber durchaus als abwechslungsreich - sofern das bei diesem Spiel überhaupt möglich ist - bezeichnet werden. Noch ein paar abschließende Worte zur Musik: Es empfiehlt sich, beim Spielen nebenbei das Radio oder die Lieblings-CD laufen zu lassen. Sollte das nicht möglich sein, können die an sich gut gemachte, aber unfreiwillig komische Sprachausgabe sowie die nervige Musik getrost auch ganz abgedreht werden.
Fazit: Warum man für "Jenga World Tour" rund 50 Euro zahlen sollte, wenn das deutlich spannendere Original aus echtem Holz für unter 15 Euro zu haben ist, ist nicht klar. Die Steuerung ist ungenau und bietet keinerlei Feedback beim Herausziehen der Steine, die Aufmachung ist mittelmäßig und der Spielumfang mit den sich stark ähnelnden Modi äußerst mau. Getreu dem Slogan "Holz ist genial" sollte daher auch weiterhin zum Original gegriffen werden.
Plattform: Wii (getestet), DS
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 35%
von
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