12.01.2008 09:49 |

Letzte Ehre

Sir Edmund Hillary erhält ein Staatsbegräbnis

Der am Freitag verstorbene Bergsteiger Edmund Hillary soll am 22. Jänner in seiner neuseeländischen Heimatstadt Auckland beerdigt werden. Er werde ein Staatsbegräbnis erhalten, gab Premierminister Helen Clark am Samstag bekannt.

Hillary war einer der größten Abenteurer des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit dem nepalesischen Bergführer Tenzing Norgay bestieg er vor fast 55 Jahren als erster Mensch den höchsten Berg der Welt. Die beiden standen am 29. Mai 1953 rund 15 Minuten auf dem 8.848 Meter hohen Mount Everest und schrieben damit Weltgeschichte. Zum letzten Mal war Hillary im April 2007 nach Nepal gereist, wobei er schwer stürzte. Von diesem Sturz hatte er sich nie mehr richtig erholt. Er starb im Alter von 88 Jahren.

Trotz seines Triumphs blieb Hillary stets bescheiden. Er ließ sich Ed nennen und bezeichnete sich als einfachen Bienenzüchter. "Sir Ed beschrieb sich als einfachen Neuseeländer mit bescheidenen Fähigkeiten", erklärte Ministerpräsidentin Clark in einer Stellungnahme. "In Wahrheit war er ein Gigant. Er war ein Held, der nicht nur den Everest bezwang, sondern ein Leben voller Entschlossenheit, Demut und Großzügigkeit führte."

Hilfe für Sherpa-Kinder
Hillary setzte sich jahrzehntelang für die Menschen in Nepal ein. Er sammelte Geld, mit dem er Schulen und Krankenhäuser in der Heimat seines 1986 verstorbenen Sherpas Norgay baute, stellte finanzielle Mittel für die schulische Ausbildung von Sherpa-Kindern bereit und arbeitete beim Aufbau eines Wiederaufforstungsprogramms mit. Die Vereinten Nationen ehrten den Bergsteiger 1987 als einen von weltweit 500 Umweltschützern. Außerdem erhielt Hillary zahllose Ehrendoktorwürden.

"Er war ein Held"
"Er war ein Held und eine Führungspersönlichkeit für uns", sagte Bhoomi Lama von der Nepalesischen Bergsteiger-Gesellschaft. Hillarys Tod sei ein unersetzlicher Verlust. Nepal, wo Hillary wegen seiner Körpergrpße von 1,88 Metern als "burra sahib", "großer Mann" bekannt war, verlieh ihm 2003 die Ehrenbürgerschaft.

Zuletzt besuchte Hillary den Himalaya im April 2007. Im Gegensatz zu anderen Bergsteigern äußerte er nie den Wunsch, auf einem Gipfel beigesetzt zu werden. Er verfügte, dass seine Asche vor der Küste von Auckland ins Meer gestreut werden soll. Ein Sprecher seiner Familie erklärte am Freitag, die Angehörigen hätten einem Staatsbegräbnis für Hillary zugestimmt. Ein Termin war zunächst nicht bekannt.

Zum Ritter geschlagen
Die Nachricht von der Bezwingung des höchsten Bergs der Welt erreichte Großbritannien vier Tage vor der Krönung von Königin Elizabeth II. In einer ihrer ersten Amtshandlungen schlug sie den damals 33-Jährigen zum Ritter.

Lange Zeit äußerte sich Hillary nicht dazu, wer den Gipfel des Everests zuerst erreichte, er oder sein Sherpa Norgay. Er betonte stets, die beiden seien ein Team gewesen. Erst nach Norgays Tod schrieb Hillary 1999 in einem Buch, er habe als erster den Fuß auf den Gipfel gesetzt. Norgay sei ihm wenige Momente später gefolgt. In diesem Moment sei er erleichtert gewesen, die Strapazen hinter sich zu haben.

Privater Schicksalsschlag
Privat musste Hillary einen schweren Schicksalsschlag verkraften: Seine erste Frau Louise und die gemeinsame Tochter Belinda starben am 31. März 1975 bei einem Flugzeugabsturz. 1990 heiratete Hillary ein zweites Mal - June Mulgrew, die Exfrau seines Freundes Peter Mulgrew, der ebenfalls bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Das Paar hat zwei Kinder und mehrere Enkel.

Flaggen auf Halbmast
Die Flaggen an der neuseeländischen Antarktisstation sind am  Freitag auf Halbmast gesetzt worden. Hillary hatte dort 1957 vier Jahre nach seinem Gipfelsturm die Scott-Basis eingerichtet. Die Stimmung sei sehr gedrückt, sagte der Leiter der Forschungsstation, Lou Sanson, neuseeländischen Medienberichten zufolge.

"Wir werden den Mann sehr vermissen. Er war eine Säule der nationalen Identität Neuseelands", sagte Sanson. Hillary war zuletzt Anfang vergangenen Jahres in der Antarktis und nahm dort an der Feier zum 50. Jahrestag der Einrichtung der Station teil.

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