Do, 21. Juni 2018

"Stirb, du Hund!"

16.10.2007 17:18

Conan

Es gibt Spiele, die setzen das Studium eines dicken Handbuches voraus. Und dann gibt es Spiele wie "Conan", die man im Handumdrehen begreift und die keinerlei Anforderungen an den Intellekt stellen. Für die einen ist das Wiedersehen mit dem durch die steirische Eiche berühmt gewordenen Barbaren daher stupide Knöpfchen-Drückerei, für die anderen ein kurzweiliger und unterhaltsamer Zeitvertreib.

Conan ist ein Barbar: Muskelbepackt, zottelig und wenig feinfühlig. Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählt das Spalten von Schädeln bis zum Kiefer, wie er selbst im neuesten Videospiel rund um die Abenteuer des durch Arnold Schwarzenegger berühmt gewordenen Heldens betont. Gelegenheit dazu bekommt Conan reichlich, befreit er doch unbeabsichtigterweise einen dunklen Magier aus seinem Gefängnis. Um ihm jedoch im finalen Zweikampf gegenüber treten zu können, muss Conan Stück für Stück eine magische Rüstung zusammentragen.

Für den Spieler selbst bedeutet dies vor allem eins: Daumenarbeit. Wie in guten alten Commodore- oder Atari-Tagen werden sich hier die Finger wundgedrückt. Ein Knöpfchen für eine leichte, ein anderes für eine schwere Attacke - wesentlich mehr braucht der Spieler eigentlich nicht, um den Gegnerscharen entgegenzutreten. Wer "Conan" jedoch etwas eleganter spielen möchte, muss dann doch tiefer in die Trickkiste greifen und auf Blocktechniken sowie ausgefeilte Kombos zurückgreifen, die man durch das Sammeln von Erfahrungspunkten freischalten kann.

Unterschieden wird hierbei zwischen Angriffen mit der bloßen Faust, mit Schwert und Schild, zwei Klingen oder einem Zweihänder. Jede Art zu kämpfen hat ihre Vor- und Nachteile: So sind zwei Klingen zwar schneller zu führen, mehr Schaden richtet aber der langsamere Zweihänder an. Völlig egal ist es hingegen, ob man zu Schwert, Axt oder Hellebarde greift: Die in "Conan" zur Verfügung stehenden Waffen sehen zwar unterschiedlich aus, welchen Schaden sie jedoch anrichten, erfährt der Spieler nicht. Das Vergleichen von Items, wie aus Rollenspielen oder Hack & Slays gewohnt, entfällt.

Hat sich Conan dann erst einmal ein wenig warm geprügelt, darf er sich im Umgang mit schwarzer Magie üben: Vier Zauber - Versteinerung, Meteoritenhagel, Rabenschwarm oder schwarzes Loch - lassen sich im Spielverlauf erlernen. Um die Zauber auch anwenden zu können, bedarf es - wie bei anderen Spielen auch - einer prall gefüllten Mana-Leiste. 

Für zusätzliche Abwechslung sorgen zahlreiche Quick-Time-Events, kleinere Rätsel und sogar Sprungeinlagen. Wer nun jedoch auch herausfordernde Passagen vom Kaliber eines "Tomb Raider" hofft, wird enttäuscht: Meist genügt es, ein paar Schalter umzulegen, Säulen umzuwerfen oder Bodenplatten zu betreten, um voranzukommen. Falls das immer noch nicht funktionieren sollte, greift meist Plan B (brachiale Gewalt), indem Conan etwa Tore zerschmettert oder ihm den Weg versperrende Büsche abfackelt. Schon kniffliger können die Jump'n'Run-Abschnitte sein. Da die Kontrollpunkte jedoch sehr fair gesetzt sind, dürften auch unerfahrene Spieler nach zwei bis drei virtuellen Toden schnell den Bogen raus haben.

In optischer Hinsicht macht "Conan" eine gute, wenn auch keine überragende Figur. Überzeugen können vor allem die flüssigen Animationen des Barbaren sowie die gigantischen Bossgegner, die es zu bezwingen gilt. Auch die Level (Geisterschloss, Pirateninsel, Wüstenstadt, Affenhöhle, etc.) an sich sind sehr schön gestaltet, prinzipiell jedoch zu linear aufgebaut. Nur hier und da gibt es eine Schatztruhe zu entdecken oder eine barbusige, an einen Baum gefesselte Jungfrau zu befreien. Nicht ganz State-of-the-Art sind auch die Wasseranimationen, die klobigen Zwischensequenzen sowie die sich auf Dauer zu sehr ähnelnden Gegnerscharen. Die fixe Kamera macht ihren Job wiederum recht gut, ganz ohne tote Winkel kommt aber auch "Conan" nicht aus.

Wenig Grund zur Klage bieten schließlich auch Sound und Musik. Zitate wie "Stirb, du Hund" oder "Mein Schwert dürstet" muss man einfach lieb gewinnen. Schade ist natürlich, dass nicht Arnies Originalstimme zum Einsatz kommt, die deutschen Dialoge können sich aber trotzdem, ebenso wie die orchestrale Musikuntermalung, hören lassen.

Fazit: Ähnlichkeiten zu Sonys "God of War" sind bei "Conan" zwar nicht von der Hand zu weisen, auf den Spielspaß wirkt sich dieser Umstand jedoch nicht schmälernd aus. Konzept und Grafik sind zwar ausbaufähig, unterhalten werden Action-Fans dennoch prächtig. Was dem Spiel aber wirklich fehlt, ist ein Koop-Modus: Ein Titel wie "Conan" schreit geradezu nach einer Runde Metzelei mit Freunden.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: THQ
Krone.at-Wertung: 77%


von Sebastian Räuchle

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