Beten für "Maddie"

Papst empfing die Eltern von Madeleine

Ausland
30.05.2007 18:55
Papst Benedikt XVI. empfing am Mittwoch für die Zeit von etwa einer Minute die Eltern der entführten Madeleine aus Großbritannien. Gerry und Kate McCann - beide gläubige Katholiken - wohnten zunächst der Generalaudienz des Kirchenoberhauptes auf dem Petersplatz in Rom bei. Anschließend hatten sie die Möglichkeit, mit dem Papst persönlich einige Worte zu wechseln. Dabei überreichten sie dem deutschen Papst auch ein Foto der Vierjährigen, das der Pontifex segnete. Das kurze Treffen mit dem Papst ist Teil einer Medienkampagne, mit der die Eltern die Suche nach ihrer Tochter verstärken wollen. Sie möchten damit auch verhindern, dass das Schicksal ihres Kindes in Vergessenheit gerät. Eine Europareise durch mehrere Städte wird folgen.

Kate McCann sprach mit Benedikt XVI., während ihr Mann dem Oberhaupt der katholischen Kirche die Hand küsste. Im Anschluss wollte das Paar nach Angaben seines Sprechers sofort nach Praia da Luz an der Algarve-Küste zurückkehren, wo Madeleine am 3. Mai aus einer Ferienanlage verschwunden war.

Madeleines Eltern beim Papst: Bilder in der Infobox!

Trotz intensiver Suche der Polizei fehlt von ihr nach wie vor jede Spur. Mit dem Papstbesuch wollen die verzweifelten Eltern erreichen, dass das Schicksal ihrer Tochter nicht in Vergessenheit gerät. Bei der Generalaudienz, zu der traditionell zehntausende Menschen am Petersplatz zusammenkommen, saßen die McCanns in einer der vordersten Reihen. Der Papst hat dabei für die Freilassung des vierjährigen Mädchens gebetet. 

Nach Rom wollen die Eltern aus dem mittelenglischen Rothley mehrere europäische Städte besuchen, darunter Berlin und Amsterdam. Am Freitag wollen sie zunächst nach Madrid reisen.

Portugiesischer Multi-Millionär sponserte Privatjet
Das Ärzteehepaar reiste mit einem Privatjet eines Multi-Millionärs. Ihre zweijährigen Zwillinge Sean und Amelie blieben unter der Obhut einer Tante in Portugal. Die katholischen Eltern sehen den Papstbesuch als „große geistliche Unterstützung“, sagte ihr Sprecher Clarence Mitchell. „Der Papstbesuch würde unserer Suche eine große Bekanntheit bringen“, schrieb Gerry McCann in einem Internet-Tagebuch auf der Webseite „findmadeleine.com“.

Prinz Charles "tief betroffen"
Am Dienstag hatten der britische Thronfolger Prinz Charles und seine Frau Camilla eine Erklärung veröffentlicht. Das Paar verfolge die Entwicklung um die Vierjährige genau und sei "tief betroffen", hieß es darin. Um die Erinnerung an sie aufrecht zu erhalten, wurde am Montag am Strand von Praia da Luz ein riesiges "Maddie"-Plakat aufgestellt. 200 britische Radiosender spielten am Montagmorgen eine spezielle Version des Simple-Minds-Hits "Don't You Forget About Me". Der Sprecher der Familie bestätigte am Samstag, dass es Telefonate zwischen Vater Gerry McCann und dem britischen Finanzminister und designierten Premierminister Gordon Brown gegeben habe. Brown soll dem Ehepaar "volle Unterstützung" bei der Suche nach dem Kind zugesichert haben.

Freundin soll Entführung gesehen haben
Berichte über ein persönliches Einwirken Browns auf die portugiesische Polizei wollte ein Sprecher des Finanzministeriums in London nicht bestätigen, die portugiesische Polizei bestritt dies. Die Polizei soll auf Drängen Browns die Beschreibung eines möglichen Verdächtigen veröffentlicht haben. Es handele sich um einen 35 bis 40 Jahre alten weißen Mann, sagte Chefermittler Olegario de Sousa am Freitag. Eine Freundin der Eltern soll die Entführung der Vierjährigen gesehen haben. Vater Gerry McCann bezeichnete die Entwicklungen als "bedeutsam". Bei der Polizei sind seit der Veröffentlichung hunderte Anrufe eingegangen.

Verdächtiger beteuert Unschuld
Der mögliche Verdächtige soll ein Kind getragen haben oder einen Gegenstand, der aussah wie ein Kind. Britische Zeitungen berichteten, dass eine Frau gesehen hat, wie Madeleine weggetragen wurde, als die Eltern beim Essen waren. Sie sei nun von "tiefen Schuldgefühlen" geplagt, weil sie nichts unternommen habe. Der bislang einzige genannte Verdächtige, ein Brite, erklärte erneut, er sei nicht in den Fall verwickelt. Die veröffentlichte Personenbeschreibung sei jedoch so vage, dass sie ihn nicht entlasten werde. Zeitungen in London berichteten, auf dem Computer des 33-Jährigen seien Kinderpornos gefunden worden. Eine Bestätigung dafür gab es nicht.

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