Sturm über Europa

Mindestens 43 Tote durch “Kyrill” in Europa

Ausland
20.01.2007 18:44
Das Orkantief "Kyrill" hat eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen und mindestens 43 Menschen in den Tod gerissen. Bei einem der schwersten Stürme der vergangenen 20 Jahre waren allein in Deutschland elf Todesopfer zu beklagen, die meisten starben durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste. Neben hunderten Verletzten gab es Schäden in Milliardenhöhe und ein Verkehrschaos.

Schlimmer noch als Deutschland traf der Sturm die britischen Inseln. Dort starben mindestens 13 Menschen. In den Niederlanden gab es sechs Todesopfer, in Tschechien und Polen kamen je vier Menschen ums Leben, Frankreich meldete drei Sturmtote, Belgien zwei.

Der Sturm tobte mit Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde. Den höchsten Wert registrierte der Wetterdienst Meteomedia mit 225 Stundenkilometern auf dem Schweizer Aletschgletscher.

Bahnverkehr in Deutschland stand still
Am neuen Berliner Hauptbahnhof riss der Sturm zwei tonnenschwere Stahlträger aus ihrer Verankerung, es bestand Einsturzgefahr für eine Glasfassade des Gebäudes. Erstmals in der Geschichte der Bahn stand der Schienenverkehr in Deutschland fast völlig still. Kurz nach zehn Uhr vormittags verkehrten dann wieder erste Züge. Freitagmittag konnte auch der Berliner Bahnhof wieder geöffnet werden.

Baby in Bayern von Tür erschlagen
In Nordrhein-Westfalen wurden vier Menschen von entwurzelten Bäumen erschlagen. In Bayern erschlug eine Terrassentür vor den Augen seiner Eltern ein Baby. Für den Säugling kam jede Hilfe zu spät.

In den Niederlanden starben sechs Menschen. In Amsterdam musste der Bahnhof evakuiert werden, nachdem "Kyrill" einen Teil des Glasdaches abgerissen hatte. In Tschechien starben vier Menschen, in Polen wurden vier Sturmtote gezählt. Im Norden Frankreichs wurden zwei Menschen getötet. Die Bahn- und Fährverbindungen zwischen Frankreich und Großbritannien waren kurzfristig unterbrochen, konnten am Freitag aber wieder aufgenommen werden.

Chaos im Schiffs- und Flugverkehr
Orkantief "Kyrill" hat auch den Luftverkehr in Europa schwer durchgeschüttelt, in der Branche aber keine größeren Schäden hinterlassen. Am Freitag normalisierte sich der Betrieb auf den großen europäischen Flughäfen wieder, zehntausende Passagiere konnten ihre Ziele mit mehrstündiger Verspätung doch noch erreichen.

Airlines strichen hunderte Verbindungen, manche Maschinen hoben erst mit stundenlanger Verspätung ab. Am Flughafen in Frankfurt wurden fast 200 von 1300 Flügen gestrichen. Chaos auch im Schiffsverkehr: Im Ärmelkanal geriet ein Frachter in Seenot. In Deutschland wurden die Fährverbindungen auf Nord- und Ostsee sowie dem Bodensee zeitweise eingestellt.

Pipeline in der Ukraine lahmgelegt
In der Ukraine hat "Kyrill" den südlichen Strang der "Freundschaft"-Ölpipeline zum Transport russischen Öls in Richtung Westen lahm gelegt. Mehrere Pumpstationen entlang der Pipeline sind von einem Stromausfall betroffen. Die Ölpipeline war erst in der zweiten Jännerwoche wegen eines Handelsstreits zwischen Russland und Weißrussland für mehrere Tage geschlossen worden.

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