So, 21. Oktober 2018

Horror in London

05.06.2017 20:45

"Die Terrorwelle ist längst nicht zu Ende"

"Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Terrorwelle, die bereits 2014 begonnen hat, längst nicht zu Ende ist. Anschläge wie die in London werden uns noch einige Jahre begleiten", erklärt der internationale Terrorismusexperte Peter Neumann, auch Berater von Außenminister Sebastian Kurz, im Interview mit dem deutschen "Tagesspiegel". "Das heißt keineswegs, dass wir uns daran 'gewöhnen' sollen. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es eben nicht."

"Bei Terror geht es nicht in erster Linie darum, möglichst viele Menschen zu töten. Sondern darum, Gesellschaften zu terrorisieren, sie in Angst und Schrecken zu versetzen, ihr Leben grundlegend zu verändern. Wenn Terror sehr häufig passiert, gelingt es den Extremisten nicht mehr, eine Gesellschaft auf die erwünschte Art zu treffen. Die Wirkung des Terrors nimmt ab, der Effekt wird geringer", hält der Experte fest.

"Politik muss auf Terror reagieren"
Während sich die Bevölkerung nicht "verrückt machen lassen soll", fordert er von der Politik klare und harte Maßnahmen: "Denn Dschihadisten wie die vom Islamischen Staat wollen ja, dass wir gewissermaßen alle verrückt werden. Doch diesen Gefallen darf man den Terroristen nicht tun. Dazu gehört auch, Muslimen nicht generell mit Misstrauen zu begegnen. Die Politik dagegen muss auf Terror reagieren. Der Staat kann nicht hinnehmen, dass Menschen auf offener Straße enthauptet werden oder dass junge Leute kein Popkonzert mehr besuchen können."

"Austausch von Daten funktioniert nicht wirklich"
Der Staat bzw. auch die Europäische Union sollten für die Verhinderung von Terror ihre "Sicherheitsarchitektur" überprüfen und auf Vordermann bringen: "Auf europäischer Ebene ist es zum Beispiel so, dass es weitgehend offene Grenzen gibt, jedoch der wichtige Austausch von Daten nicht wirklich funktioniert. Wir brauchen zudem mehr Personal bei den Sicherheitsbehörden, das sich mit dem Thema Terrorismus auskennt. In Deutschland kommt hinzu, dass es Koordinationsprobleme zwischen dem Bund und den Ländern gibt. Es sind zu viele Behörden, die mit dem Problem beschäftigt sind. Und deren Zusammenarbeit funktioniert viel zu selten. Auch muss es einfacher werden, etwa gegen salafistische Vereine oder Netzwerke vorzugehen und ihnen das Handwerk zu legen."

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