Do, 15. November 2018

Aufregung im Web

05.06.2017 15:21

London: CNN arrangierte muslimische Friedensdemo

Der BBC-Reporter, der nur wenige Meter neben dem Tatort an der London Bridge live auf Sendung ist, scheint etwas verblüfft: Direkt neben ihm, dicht hinter einer Polizeiabsperrung, dirigieren Kollegen von CNN und ein Fotoreporter sieben muslimische Frauen mit Kleinkindern und vier Männern in die beste Kameraposition - ihre Reaktion auf den Terrorangriff bei der London Bridge soll offenbar perfekt in Szene gesetzt werden. Im Web sorgt diese gestellte Friedensdemo für heftige Reaktionen.

"What a wonderful scene", gibt sich eine TV-Redakteurin beim Start ihres Live-Einstiegs von dieser "spontanen Reaktion" der muslimischen Bevölkerung Londons freudig überrascht. Allerdings haben diese Journalistin - mutmaßlich vom US-Nachrichtensender CNN - und auch die anderen Hobby-Regisseure dieser "großartigen Reaktion" offenbar nicht bemerkt, dass ihre Bemühungen für einen perfekten Dreh in direkter Nähe des britischen Terror-Tatorts per Smartphone mitgefilmt werden.

Und während die TV-Redakteurin hochemotional die Botschaften auf den Mini-Plakaten ("#ForLondon", "ISIS will lose" etc.) vorliest, hört man im Hintergrund mehrere Kollegen anderer Kamerateams lachen ...

Inszenierung fliegt auf
Obwohl die ziemlich peinliche Inszenierung bereits Sonntagabend auffliegt, sorgt die deutsche ARD noch für eine Steigerung der ohnehin schon dramatischen Selbstbeschädigung des TV-Journalismus: Die ARD-Onlineredaktion übernimmt das Foto von der recht offensichtlich arrangierten "Demo" für tagesschau.de. Dort hieß es am Montagnachmittag, die Gruppe habe auch an anderen Orten demonstriert. Dort sei dann das verwendete Bildmaterial entstanden.

Aus dem CNN-Headquarter kam bisher keine Stellungnahme zu dieser Vorgehensweise in London. Die eigentlich angesehene Nachrichtenagentur AP und der US-Sender Fox-News verbreiteten die TV-Szenen ebenfalls ohne Hinweise auf die tatsächliche Entstehungsgeschichte. AP-Journalist Raphael Satter meinte auf Twitter nur, er wundere sich über die Aufregung.

Das ohnehin schon starke Misstrauen gegenüber vielen Medien wird damit jedenfalls nicht geringer werden.

Richard Schmitt
Richard Schmitt

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