Viele Schiffe versenkt

Russland klagt über „ukrainischen Terror“

Außenpolitik
16.07.2026 22:31

Immer häufiger greift das ukrainische Militär russische Schiffe an, darunter Öl-Tanker und Getreideschiffe im Asowschen Meer. Mit der neuen Strategie soll der Kreml zur Entscheidung gedrängt werden, seinen brutalen Krieg endlich zu beenden.

Drohnen im Anflug auf russische Tanker. Der Bediener steuert sie in Richtung Brücke. Beim Aufschlag bricht die Übertragung ab. Andere Drohnen nehmen die Explosionen auf – meist gibt es mehrere auf einem Schiff. Das sind Bilder, die der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdy, dieser Tage auf Telegram veröffentlicht.

Für den Kreml hat das Asowsche Meer eine hohe strategische Bedeutung. Treibstoff, Munition und militärisches Material gelangen über die Häfen und die Straße von Kertsch auf die besetzte Halbinsel Krim. Von dort aus werden russische Verbände in den Frontabschnitten Saporischschja und Cherson versorgt. „Das Asowsche Meer war Russlands zweite große Trophäe nach der Krim“, schilderte der ukrainische Militärblogger Dmytro Karpenko der „Kyiv Post“. Nun zerstörten die ukrainischen Streitkräfte systematisch die Illusion einer vollständigen russischen Kontrolle. Das amerikanische Institute for the Study of War (ISW) ist überzeugt: Die Angriffe markierten „eine neue Phase der Bemühungen Kiews, die besetzte Krim vom russischen Logistiknetz abzuschneiden und die russischen Seehandelsrouten zu stören, insbesondere für Erdölprodukte und Getreide“.

Militär: Seit Anfang Juli 116 russische Schiffe attackiert
Laut Browdy haben die ukrainischen Streitkräfte seit Anfang Juli 116 russische Schiffe angegriffen, wobei dem Militär zufolge alle zur sogenannten Schattenflotte Russlands gehörten. Diese gilt als existentiell für Moskau, ohne sie ist die Finanzierung der Kriegswirtschaft gefährdet. Die „New York Times“ konnten die Angaben über die 116 attackierten oder zerstörten Schiffe nicht überprüfen, Russland selbst hat nur eine Handvoll Angriffe auf seine Schiffe bestätigt. Verifizieren konnte die US-Zeitung Attacken auf mindestens elf Schiffe im Schwarzen Meer. Die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich höher.

Tomas Alexa, Analyst bei dem maritimen Beratungsunternehmen „Ambrey“, geht anhand der von den ukrainischen Streitkräften in den sozialen Netzwerken geposteten Aufnahmen davon aus, dass Kiew allein von Montag bis Donnerstag vergangene Woche 30 bis 35 Schiffe getroffen haben dürfte. Dies hauptsächlich im Asowschen Meer. Unklar war, was die Schiffe transportiert hatten. In von „The New York Times“ überprüften Satellitenbildern waren auslaufende Flüssigkeiten zu erkennen. Vonseiten der russischen Behörden hieß es, dass mindestens ein Schiff Methanol an Bord hatte.

Die aktuelle Lage auf der Krim: Trotz der Anspannung erholt sich so mancher am Strand – neben ...
Die aktuelle Lage auf der Krim: Trotz der Anspannung erholt sich so mancher am Strand – neben einer Nachbildung des Eiffelturms.(Bild: AFP/OLGA MALTSEVA)

Die Krim soll isoliert werden
Neben den Schiffen nehmen die ukrainischen Drohnen die symbolträchtige Krim ins Visier und greifen dort Tanklastwagen wie auch Energieinfrastruktur an. Die Folgen sind ein immenser Kraftstoffmangel, Probleme mit der Stromversorgung und eine geplatzte Urlaubssaison auf der annektierten Halbinsel. Diese Attacken wie auch die Angriffe auf Raffinerien tief in Russland, die landesweit zu Benzinknappheit geführt haben, sollen Putin in seinem Eroberungskrieg als unfähig hinstellen. Angesichts der ruhenden Friedensgespräche will man den Krieg beenden, indem er zum Aggressor nach Hause gebracht wird. Die Ukraine hat sogar einen Slogan für diese Strategie entwickelt: „Moskau wird durch die Krim fallen.“

„Werden unsere eigene Straße von Hormuz bekommen“
Mit viel Pessimismus kommentierte der einflussreiche prorussische Militärblogger Voenniy Osvedomitel die Lage: „Wenn es so weitergeht, werden wir unsere eigene Straße von Hormuz bekommen, wobei die Ukraine Iran spielen wird und wir die USA“, schrieb er auf Telegram. „Unsere Schiffe werden einfach nicht unbeschadet zur Krim und zurück fahren können wegen der Drohnen“, klagte der Experte.

Dennoch gibt es bislang keine Anzeichen, dass die Krim-Offensive der Ukraine Moskau beeinflusst hat. Zwar bezeichnete Russlands Außenminister Sergej Lawrow die Handlungen Kiews im Asowschen Meer als „schlimmer als Piraterie“ und „reinen Terrorismus“. Der Kreml gibt sich aber nach wie vor trotzig, startet strafende ballistische Raketenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew. Und schwört, seine kriegerischen Bemühungen in der Ukraine weiter fortsetzen zu wollen.

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