"Caesar IV" ist Aufbaustrategie der reinsten Sorte - Es gibt keine Forschung, dafür jede Menge Probleme. Erst bricht am einen Ende der Stadt ein Feuer aus, dann hustet ein ganzes Stadtviertel und verbreitet giftgrüne Wolken als Zeichen für eine schwache gesundheitliche Versorgung - schließlich fehlen Arbeitskräfte und das Volk hungert. So ein angehender Cäsar hat's nicht leicht...
Drei Wege, das Spiel zu ergründen, stehen offen: Kampagnen führen ins Game ein, das Spielprinzip wird langsam aufgebaut und die Anforderungen stetig gesteigert. Wer sich lieber gleich mit Haut und Haaren ins Gefecht stürzen möchte, der kann eine Republik in Sizilien, Gallien oder Griechenland führen. Schließlich gibt es die imperiale Kampagne, die allerdings freigespielt werden muss. Für Mehrspieler steht ein Online-Modus zur Verfügung.
Krieg? Muss doch nicht sein!
A propos Gefecht: Dankenswerterweise wird kein Spieler dazu gezwungen, kriegerisch durch die Antike zu wandern. Die Wahl zwischen wirtschaftlichem und militärischem Spiel steht bei jeder Mission offen. Ebenfalls hilfreich: Es gibt immer drei Schwierigkeitsgrade - doch keine Illusionen. Je weiter der Spieler voranschreitet, desto höher werden die Anforderungen, egal auf welchem Level.
Der Aufbaupart verläuft wie in anderen Spielen auch, einzige Besonderheit: Es gibt drei verschiedene Einwohnerklassen, die auch unterschiedliche Ansprüche an ihre Umgebung, Freizeit- und Warenangebot stellen. Die Plebejer stehen ganz unten in der Rangordnung, sie verrichten die niederen Dienste, um Equites und schließlich auch Patrizier zufrieden zu stellen. Besonders letztere sind ein schwieriger Fall, Luxus ist für sie ein Muss.
So errichtet der Spieler genreüblich Häuser, baut Felder, produziert Wein und Olivenöl, sorgt für genügend Krankenhäuser und Theater. Eine umsichtige Bauweise ist in "Caesar IV" besonders wichtig, da das Platzangebot sehr begrenzt ist. Nicht unbedingt hilfreich ist dabei, dass sich Gebäude nicht manuell drehen lassen - nach welchem Prinzip das manchmal dann doch passiert, war im Test nicht nachzuvollziehen.
Was selbst nicht angebaut werden kann - meist chronischem Platzmangel zu "verdanken" - wird importiert. Handelsrouten machen einen einfachen Warenaustausch möglich. Neben exotischen Liebhaberstücken verlangen die hohen Bürgerschichten auch nach Sicherheit - neben einfachen Maßnahmen wie Stadtmauern kann es auch nötig sein, ein Heer aufzustellen. Das ist teuer und macht wegen des umständlichen Kampfsystems keine besonders große Freude.
Die "Caesar IV"-Grafik gefällt großteils, außergewöhnliche Details beinhaltet sie allerdings nicht. Musik und Sprachausgabe sind ebenso gelungen - ohne besondere Highlights. Was die Freude an der ordentlichen Umsetzung trübt, ist dass kaum Bürger die Straßen tatsächlich bevölkern. Kaum jemand traut sich offenbar nach draußen, und wenn doch, wirken die Personen nicht besonders lebendig. Ein bisschen mehr Begeisterung seiner Unteranten darf sich ein Cäsar schon erwarten... Da wundert es auch nicht, dass der Spieler sich mit dem Imperator kaum identifizieren kann - nicht einmal Selbstbeweihräucherung à la "Ich baue jetzt 20 Statuen nach meinem Ebenbild" ist drinnen. Schade eigentlich!
Fazit: "Caesar IV" ist gelungen, jedoch nicht herausragend. Das Spielprinzip ist schon zum Abwinken bekannt, bis auf die drei Klassen haben sich die Entwickler nichts Neues einfallen lassen. Immerhin gefallen die vielen Möglichkeiten und der Verzicht auf erzwungene Kriege. Das Spiel wird im Verlauf anspruchsvoller, jedoch nie unfair. Das Gefühl, wie es wohl als Herrscher über eine Provinz oder gar Rom gewesen sein könnte, kommt mangels euphorischer Bürger oder identitätsstiftender Rendersequenzen leider nicht auf. Nicht das beste Spiel des Genres, aber eine gute Möglichkeit, einmal Cäsar zu sein.
Plattform: PC
Publisher: Vivendi Games
Krone.at-Wertung: 79 %
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