Selbst angezündet
Pfarrer verbrennt sich aus Angst vor Islam selbst
Der Mann hatte sich am Dienstagvormittag auf dem Klostergelände in einer Baugrube neben der Bibliotheksruine mit Benzin übergossen und selbst angezündet. Dabei soll der Theologe "Jesus und Oskar" gerufen haben. Die Kirche werde dabei sofort an 1976 erinnert, sagte der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack. Damals hatte sich vor einer Kirche in Zeitz (Sachsen-Anhalt) der Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Protest gegen die DDR mit Benzin übergossen und sich selbst angezündet.
Die Selbstverbrennung geschah während eines Gottesdienstes. In dem evangelischen Kloster, in das Luther 1505 als Mönch eintrat, wurde am Reformationstag ein Stiftungsfest mit vielen Besuchern gefeiert. Der 73-Jährige, der keine Papiere bei sich trug, habe am Empfang zunächst seine Autoschlüssel hinterlegt, sagte der Kurator des Klosters, Lothar Schmelz. Es sei nicht auszuschließen, dass der Pfarrer eigentlich in die Kirche zum Gottesdienst wollte.
Da die Tür am Westportal ausnahmsweise geschlossen gewesen sei, stieg er über einen Zaun in die Baugrube. Zeugen berichteten, dass er sich dort Benzin aus einem kleinen Kanister über den Kopf goss. Mitarbeiter des Klosters versuchten noch, die Flammen zu löschen.
In den vergangenen drei bis vier Jahren habe der 73-Jährige die kirchliche Position zum Islam immer wieder zum Thema gemacht, sagte die Pröbstin. In einem Schreiben an sie habe er gemahnt, das Problem ernster zu nehmen. In einem Abschiedsbrief an seine Frau bat er um Verzeihung für seine Tat. Die Polizei hatte zunächst von persönlichen Gründen für den Selbstmord gesprochen. Der 73-Jährige war lange Jahre Pfarrer in dem dem Erfurter Ortsteil Windischholzhausen. "Er war ein sehr aktiver Mensch. Bis vor 14 Tagen hat er noch Gottesdienste vertreten", sagte Begrich.
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