Interview

Notschlafstellen: Kein Zugang für Asylwerber

Tirol
26.11.2016 10:47

Der Chef des Vereins für Obdachlose, Michael Hennermann, spricht im "Krone"-Interview über zu teure Wohnungen, Asylwerber, die keinen Zugang zu Obdachlosen-Notschlafstellen haben und das Hinauszögern von konkreten Forderungen.

Laut Ihren Erhebungen sind in Innsbruck 300 Personen wohnungslos, weitere 223 in prekären Wohnverhältnissen - und das trotz Hunderten Schlafplätzen. Warum?
Der Wohnungsmarkt ist so angespannt, dass die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe die Betroffenen nicht vermitteln können. Die Wohnungen sind zu teuer und es werden zu wenige angeboten.

Die Obdachlosenquartiere in Innsbruck sind zu 50 Prozent mit Asylwerbern belegt. Ist das zielführend?
Asylwerber haben keinen Zugang zu den Notschlafstellen, da sie noch im Verfahren sind und in Flüchtlingsheimen leben! Nur am Schusterbergweg dürfen auch obdachlose Asylwerber nächtigen. Asylberechtigte haben einen Zugang zu Notschlafstellen, wie Österreicher auch. Auch sie brauchen Wohnraum, damit Integration überhaupt beginnen kann.

Sie forderten einen Ausbau der Angebote. Soll und kann Innsbruck das Problem alleine bewältigen?
Kurzfristig muss das Ziel sein, dass Menschen im Winter nicht auf der Straße schlafen müssen, da dies lebensbedrohlich ist. Längerfristig braucht es die Kooperation von Land, Stadt und den Gemeinden, da es mehr leistbare Wohnungen braucht. Auch der Ausbau von Sozialberatungsstellen in den Bezirken ist wichtig. So kann Wohnungslosigkeit oft im Vorhinein verhindert werden und der Druck auf Innsbruck würde sich entspannen. Seit Jahren werden konkrete Maßnahmen durch die Wohnungslosenhilfe eingebracht, jedoch werden diese nur zögerlich umgesetzt.

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