17.09.2006 13:47 |

Widerstand

Linke wählt Obrador zu ihrem Präsidenten

Der Widerstand der mexikanischen Linken gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl hat am Nationalfeiertag einen Höhepunkt erreicht. Bei einer Massenkundgebung in Mexiko-Stadt wählten zehntausende Oppositionsanhänger am Samstag den unterlegenen Kandidaten Manuel López Obrador zum "rechtmäßigen Präsidenten" und sprachen dem konservativen Wahlsieger Felipe Caldéron die Legitimation ab.

Den Veranstaltern zufolge nahmen 750.000 Menschen an dem "nationalen demokratischen Konvent" auf dem zentralen Zócalo-Platz teil. Die Feiern zum Nationalfeiertag fanden aus Sicherheitsgründen im 500 Kilometer entfernten Dolores Hidalgo statt.

Die Menge drängte sich bis in die Seitenstraßen des Zócalo und verfolgte dort über Lautsprecher die Reden der Oppositionsführer. Ein Redner forderte die Versammlungsteilnehmer auf, zu entscheiden, ob López Obrador zum "legitimen Präsidenten" oder zum "Koordinator des friedlichen zivilen Widerstands" ernannt werden solle. Die Menge rief daraufhin "Präsident, Präsident".

Die Versammlungsteilnehmer verabschiedeten außerdem per Handzeichen Leitlinien wie "Abschaffung der Regierung der Korruption und der Privilegien", "Kampf gegen Armut" und "Nein zu Privatisierungen". López Obrador soll am 20. November, dem Jahrestag der Revolution von 1910, sein Amt als "legitimer Präsident" antreten.

Kampf für eine "neue Republik"
Unter dem Beifall seiner Anhänger sprach López Obrador von einem "historischen Tag", an dem der Konvent "das aktuelle Regime der Korruption und der Privilegien abgeschafft" habe. "Wir werden für eine neue Republik kämpfen", rief der frühere Bürgermeister von Mexiko-Stadt.

Der Konvent begann kurz nach dem Militärumzug zum Nationalfeiertag in der Hauptstadt. Um den Umzug zu ermöglichen, hatten López Obradors Anhänger ihre seit dem 30. Juli bestehende Blockade mehrerer Hauptstraßen im Zentrum von Mexiko-Stadt vorübergehend aufgehoben.