So, 16. Dezember 2018

Sanitäter warnt:

27.03.2016 09:20

"Oft nur ein Notarzt für 322.000 Wiener"

Er ist seit 25 Jahren Sanitäter, 25 Jahre Dienst im Wagen. Rudolf K. (Name geändert) hat in seinem Leben schon alles gesehen. Und jetzt schlägt er Alarm. Mit einem Brief will er der Wiener Stadtregierung die Augen öffnen: "Für Floridsdorf und Donaustadt steht oft nur ein Notarzt zur Verfügung. Für 322.000 Wiener."

Eine A4-Seite ist seine Klageschrift lang, und Rudolf K. spart dabei nicht mit Kritik: "In Floridsdorf sind es zwei Tagdienst-Rettungswagen (zwölf Stunden) und drei 24-Stunden-Rettungswagen für etwa 151.000 Einwohner, in der Donaustadt ist es ein Wagen im 24-Stunden-Dienst für 172.000 Einwohner", schreibt er.

Gewisse Einsätze mit Zweierteams unmöglich
"Auch der Notärztemangel (NEF-Notarzteinsatzfahrzeug) ist massiv, wienweit gibt es immer öfter nur fünf Notärzte", so K. "Notfallrettungen (RTW) werden teilweise mit Bundesheersoldaten und Zivildienern besetzt, die teilweise noch keine abgeschlossene Sanitätsausbildung haben und ihr Praktikum bei uns machen, und die müssen einen vollwertigen hauptberuflichen Sanitäter ersetzen, nur um keine Autos einzustellen."

Auch die Umstellung des Drei-Mann-Betriebes auf zwei Mann sieht der Profi-Sanitäter skeptisch: "Gewisse Einsätze und Bergetechniken werden dadurch unmöglich. Es sind dann zwei Fahrzeuge notwendig, und die erledigen eine Arbeit, die vorher mit einem Fahrzeug zu bewältigen war."

Rettungssprecher: "Versorgung sichergestellt"
Bei der Rettung selbst sieht man das anders: "Die notärztliche Versorgung ist in Wien zu jeder Zeit sichergestellt", sagt Sprecher Andreas Huber. "Im Bereich Floridsdorf/Donaustadt sind zusätzlich der Wiener Rettungshubschrauber 'C9', in der Station Aspern ein FISU (Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz Intubatio, Anm.) sowie in der Station Floridsdorf der '4 für Wien'-NEF, der mit Notarzt und Sanitäter einer Rettungsorganisation besetzt ist, stationiert." Zudem sei die Rettung in acht bis zwölf Minuten an jedem Ort der Stadt. "Das ist schneller als im EU-Schnitt", so Huber.

Dramatisch liest sich die Warnung des Sanitäters: "Wenn sich bei uns so etwas Schreckliches wie in Brüssel ereignet, haben wir Probleme bei der Patientenversorgung!" Antwort von Andreas Huber: "Stimmt nicht: Die notfallmedizinische Versorgung in Wien ist durch den Rettungsverbund selbstverständlich auch bei Großschadensfällen sichergestellt."

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