06.02.2016 11:47 |

Rom will Aufklärung

Italienischer Student in Ägypten brutal ermordet

Zwischen Italien und Ägypten herrscht Spannung, seit der italienische Wirtschaftsstudent Giulio Regeni am Mittwoch in der ägyptischen Hauptstadt halb nackt, mit Folterspuren am Körper und schwer entstelltem Gesicht tot gefunden wurde. Die Täter hatten die Leiche nahe der Ringautobahn am Rand der Wüste in einen Graben geworfen.

An der Leiche wurden Messerstiche und Brandwunden von Zigaretten, Schnitte im Ohr und Spuren von Schlägen gefunden. Sie würden auf einen "langsamen Tod" hindeuten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Gerüchte, wonach zwei Personen wegen des Todesfalls festgenommen worden seien, wurden von den ägyptischen Behörden nicht bestätigt.

Italienische Medien vermuten, dass der aus der Nähe von Udine stammende Regeni, der an der britischen Universität Cambridge über die Rolle der Gewerkschaften in Ägypten nach 2011 promoviert hatte, wegen seiner Kontakte zu Menschenrechtsaktivisten und Oppositionsbewegungen in Kairo ins Visier ägyptischer Sicherheitskräfte geraten sein könnte. Er war seit September als Gastwissenschaftler an der Amerikanischen Universität Kairo tätig, um seine Arabischkenntnisse zu vertiefen. Der 28-Jährige hatte für die linke italienische Tageszeitung "Il Manifesto" unter einem Pseudonym Berichte über die Lage in Ägypten veröffentlicht.

Regeni von Staatsschützern gefoltert?
Am Tag seines Verschwindens am 25. Jänner war die Stadt voller Polizei und Agenten der Staatssicherheit, die Proteste verhindern sollten. Italienische Medien vermuten, dass Regeni an diesem Tag von der Staatssicherheit verhaftet, gefoltert und getötet worden sei.

"Wir wollen die ganze Wahrheit wissen, bis ins letzte Detail", verlangte Italiens Außenminister Paolo Gentiloni. Innenminister Angelino Alfano forderte die ägyptischen Behörden zur aktiven Zusammenarbeit zur Klärung der Hintergründe von Regenis Tod auf und verlangte exemplarische Strafen für die Täter.

Italien fordert Aufklärung des mysteriösen Falles
Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi telefonierte mit Premier Matteo Renzi. Er habe dem Innenministerium in Kairo befohlen, alles zur Aufklärung des Todesfalls zu unternehmen. Es bestehe der "konstruktive Wille" seitens der ägyptischen Behörden, die Täter so rasch wie möglich ausfindig zu machen. Der rätselhafte Todesfall könnte die guten Beziehungen zwischen Italien und Ägypten beeinträchtigen. Italien hatte Sisi im November 2014 als erster westlicher Staat zu einem offiziellen Besuch eingeladen.

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