Fr, 24. Mai 2019
15.01.2016 09:37

Steuerreform wirkt

"Pfusch" geht zurück: Unter acht Prozent des BIP

Nach einem Anstieg in den beiden Vorjahren dürfte der Anteil des "Pfuschs" an der offiziellen Wirtschaftsleistung Österreichs heuer wieder unter die Marke von acht Prozent sinken. Grund dafür ist laut neuen Berechnungen des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider (Bild) die Entlastung durch die Steuerreform. Dafür kurbeln höhere Arbeitslosigkeit und mehr Flüchtlinge die Schattenwirtschaft an.

Insgesamt dürfte das "Pfusch"-Volumen heuer um mehr als 700 Millionen Euro auf rund 20,64 Milliarden schrumpfen. Im Vorjahr war mit 21,35 Milliarden der höchste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht worden. Rechnerisch um etwa zwei Milliarden gedrückt werden dürfte der Pfusch heuer durch die Steuerreform. Im Gegenzug wird allein der Anstieg der Arbeitslosigkeit um 50.000 Personen die Schattenwirtschaft um rund eine Milliarde Euro ankurbeln.

Flüchtlinge dämpfen Bilanz: Plus 480 Millionen
Um bis zu 480 Millionen Euro expandieren dürfte der "Pfusch"-Sektor in Österreich heuer durch die erwarteten bis zu 100.000 Flüchtlinge, nimmt Schneider an. Dabei gehe es um die Zeit, bis die Betroffenen in den offiziellen Arbeitsmarkt integriert werden können - pro Person kalkuliert der Experte fünf Euro Stundenlohn.

Volkswirtschaftlich sei selbst Schwarzarbeit durch Flüchtlinge positiv zu sehen, sagte Schneider am Freitag: "Diesen Menschen und der Wirtschaft ist damit geholfen. Sie können die Zeit sinnvoll nützen und führen das Geld durch ihre Ausgaben großteils wieder dem Wirtschaftskreislauf zu. Dieser Beitrag zur Wertschöpfung ist besser, als dass sie monatelang herumsitzen oder kriminell werden."

Registrierkassen: Effekt wohl erst später
Durch die neue Registrierkassenpflicht erwartet Schneider für heuer noch keinen Dämpfer auf die Schattenwirtschaft. Im kommenden Jahr könnte sie dadurch aber doch um bis zu 700 Millionen Euro zurückgehen, wenn alle Maßnahmen voll wirken: "Man sieht ja jetzt schon Verhaltensänderungen. Man bekommt überall einen Kassenbon ausgehändigt." Die erhofften 900 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen werde der Staat aber auch 2017 nicht lukrieren können, glaubt Schneider. Er sieht das Potenzial bei höchstens der Hälfte.

Auch wenn Österreich mit einer Schattenwirtschaft von heuer unter acht Prozent der Wirtschaftsleistung im internationalen Vergleich zum "bravsten" Drittel der OECD-Staaten gehört, sieht Schneider weiter politischen Handlungsbedarf: "Nur wenn es attraktiv ist, sich in der offiziellen Wirtschaft verstärkt zu engagieren, werden schattenwirtschaftliche und inoffizielle Aktivitäten überführt", so seine Argumentation.

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