Der erneute Kurssturz an Chinas Börsen am Donnerstag hat alle wichtigen Märkte mitgerissen. In Asien, Europa und den USA fielen die Aktien auf breiter Front aus Angst vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft. Nachdem China sein Währung, den Yuan, neuerlich abgewertet hat, wächst an den Finanzmärkten jetzt die Sorge vor einem virtuellen Handelskrieg.
Die kommunistischen Herrscher im Reich der Mitte machen gerade die Erfahrung, dass man die freie Marktwirtschaft nicht durch Gesetze bremsen kann. Nach schlechten Wirtschaftsdaten - das Wachstum ist geringer als erwartet - rutschten die Kurse an Chinas wichtigsten Börsen in Schanghai und Shenzhen am Donnerstag gleich zu Handelsbeginn um mehr als fünf Prozent nach unten - und später um über sieben Prozent.
Handel an Chinas Börsen erneut ausgesetzt
Der "Schutzmechanismus" der Regierung in Peking, der bei starken Verlusten eine Handelsunterbrechung von 15 Minuten und danach den Abbruch des Handels bei mehr als sieben Prozent Minus vorsieht, trat in Kraft. Doch nach Ansicht von Finanzexperten verstärken solche Eingriffe eher den Abwärtstrend, als die Anleger zu schützen.
Der Index "CSI 300", der die Entwicklung der 300 größten Aktienwerte an Chinas Börsen abbildet, verlor am Donnerstag fast sieben Prozent, seit Jahresanfang fast zwölf Prozent. Auch in Hongkong und in Tokio gingen die Kurse auf Talfahrt, weil man fürchtet, dass die chinesische Wirtschaft, die 2015 offiziell "nur" um sieben Prozent gewachsen ist, deutlich schwächelt.
Wirtschaftszahlen wurden jahrelang geschönt
Ein Indiz dafür ist, dass die Währung Yuan erneut gegenüber dem US-Dollar abgewertet wurde, um China Exporte zu erleichtern. Außerdem gilt es mittlerweile als erwiesen, dass die Regierung die Wirtschaftszahlen Chinas lange Zeit geschönt hat. Der Vertrauensverlust führt nun dazu, dass die Anleger auf breiter Front die Flucht ergreifen. Nüchtern betrachtet platzt hier eine "Blase", denn seit 2014 sind die Aktien wie verrückt gestiegen.
Den Asien-Crash spüren auch Europas Anleger: Der DAX fiel um über drei Prozent auf unter 10.000 Punkte, der Wiener ATX gab um über vier Prozent nach. Vor allem Autowerte führten die Verliererliste an (China ist der größte Automarkt). Der Ölpreis sank aus Angst vor einem weltweiten Sinken der Nachfrage auf 33 Dollar je Fass.
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