Do, 13. Dezember 2018

Auf der Flucht

20.12.2015 17:54

Paris-Attentäter überstand drei Polizeikontrollen

Einer der Attentäter von Paris, der flüchtige Salah Abdeslam, ist auf der Flucht nach Belgien dreimal von der französischen Polizei kontrolliert worden. Die Polizei bestätigte am Sonntag einen entsprechenden Bericht der französischen Zeitung "Le Parisien". Grundlage für die Angaben ist die Zeugenaussage von Hamza Attou, einem Freund von Abdeslam aus dem Brüsseler Viertel Molenbeek. Attou und ein weiterer Freund sollen den flüchtigen Franzosen nach den Anschlägen vom 13. November mit dem Auto aus Paris abgeholt und nach Brüssel gefahren haben. Beide sitzen in Belgien in Untersuchungshaft.

Attou zufolge drohte Abdeslam, der im September auch in Österreich unterwegs und von der Polizei kontrolliert worden war, während der Fahrt, er werde das Auto in die Luft sprengen, sollte er nicht nach Brüssel gebracht werden. Er erinnerte demnach daran, dass sich auch sein an den Anschlägen in Paris beteiligter Bruder Brahim dort in die Luft gesprengt hatte und dass er selbst Menschen mit der Kalaschnikow getötet habe.

Ausweis von Bruder in Auto zurückgelassen
Attou zufolge erzählte Abdeslam während der Fahrt, dass er den Ausweis seines Bruders in einem Auto zurückgelassen habe, damit Brahim "weltweit bekannt" werde - "so wie Coulibaly". Der Islamist Amedy Coulibaly war am 9. Jänner, zwei Tage nach dem Anschlag auf das Pariser Büro der Satirezeitung "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten, in einen jüdischen Supermarkt der Hauptstadt eingedrungen. Er erschoss dort vier seiner jüdischen Geiseln, bevor die Polizei ihn tötete.

Während der Flucht von Paris nach Brüssel verlangte Abdeslam laut Attou, langsam zu fahren und kleine Straßen zu benutzen, um nicht in Polizeikontrollen zu geraten. Das Trio geriet jedoch auf die Autobahn nach Belgien und wurde dreimal angehalten.

Joint-Konsum im Auto für Polizist "nicht vordringlich"
Bei der ersten Kontrolle habe sie ein Polizist gefragt, ob sie etwas "konsumiert" hätten. Amri und Attou antworteten demnach "Ja", weil sie gerade einen Joint geraucht hatten. Der Polizist habe gesagt, das sei "nicht gut", doch weil es "heute nicht das Vordringliche" sei, habe er sie ohne Kontrolle ihrer Papiere weiterfahren lassen. Abdeslam sei währenddessen schweigend auf der Rückbank gesessen. Erst beim zweiten und dritten Mal wurden die Personalausweise kontrolliert.

Bei der dritten Kontrolle an einer Tankstelle in der Nähe von Cambrai habe Abdeslam sogar seine Adresse in Molenbeek angegeben, sagte die Quelle aus Ermittlerkreisen weiter. Zu diesem Zeitpunkt wurde noch nicht nach ihm gefahndet. Als Abdeslam von der Toilette kam, war den Angaben zufolge seine Jacke offen. Darunter seien weder ein Sprenggürtel noch eine Kalaschnikow zu sehen gewesen.

Bei den Attentaten vom 13. November in Paris kamen 130 Menschen ums Leben, mehr als 350 weitere wurden verletzt. Mehrere Attentäter hatten in Cafés, Restaurants und im Konzertsaal Bataclan sowie vor der Fußballarena Stade de France wahllos auf Menschen geschossen oder sich selbst in die Luft gesprengt. Die meisten Angreifer sind mittlerweile identifiziert. Von Abdeslam fehlt seit den Anschlägen jede Spur, seine genaue Rolle bei der Angriffsserie ist noch unklar.

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