Mit "Valhalla Hills" hat das deutsche "Cultures"- und "Siedler"-Studio Funatics ein neues Wikinger-Aufbauspiel für den PC veröffentlicht. Das Game lockt Genre-Fans mit ebenso niedlichen wie geschäftigen Dorfbewohnern, die nordische Inseln besiedeln, um ihrem ultimativen Ziel näher zu kommen: Walhalla. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.
Für den gemeinen Wikinger gibt es wohl kaum einen erstrebenswerteren Ort als das legendäre Walhalla. Was aber, wenn Odins Tafel in diesem sagenumwobenen Land der Gelage und des Gerstensafts geschlossen hat? Diese Frage muss sich der Spieler zu Beginn des neuen Funatics-Aufbauspiels "Valhalla Hills" stellen.
Der Weg nach Walhalla ist nämlich verschlossen und die einzige Möglichkeit, sich doch noch an Odins Tafel zu laben, führt über die Besiedelung unzähliger Inseln, um sich Portal für Portal ins gelobte Land der Nordmänner vorzuarbeiten und dabei genug Ehre zu sammeln, um den Göttern würdig zu sein.
Handlung tritt in den Hintergrund
Eine witzige Grundlage, die im Game allerdings nicht ihr volles Potenzial entfaltet. Denn "Valhalla Hills" nutzt die Erzählung nicht wirklich, um den Spieler auf unterhaltsame Art und Weise nach Walhalla zu geleiten, sondern als Rahmenprogramm für eine Aneinanderreihung zufallsgenerierter und stetig wachsender Karten.
Auf ihnen bauen die Wusel-Wikinger Siedlungen und Straßen, bauen Rohstoffe ab und stellen Waren her - und rekrutieren Soldaten, um die im Spielverlauf immer stärker werdenden Portalwächter zu besiegen, die den Weg durch die Pforten nach Walhalla bewachen. Wer lieber handelt statt kämpft, kann sie aber auch einfach mit Opfergaben beschwichtigen.
Niedliches Gewusel, eher kurze Partien
Spielerisch ist das durchaus gelungen. Wir fühlten uns im Test ein wenig in die "Siedler II"-Ära zurückversetzt, erfreuten uns an den interessanten, aber meist eher kurzen Produktionsketten und vor allen den niedlichen Wusel-Wikingern, die alle einen eigenen Namen haben und einem geregelten Tagesablauf nachgehen, den es beim Siedlungsbau zu berücksichtigen gilt.
Das Problem: Weil das Ziel jeder Karte ist, das Portal zu durchschreiten und die nächste Insel zu besiedeln, hat man einerseits keinen echten Anreiz, die eigene Siedlung bis ins letzte Detail zu optimieren, andererseits wiederholt sich die Aufbauphase immer wieder. Das kann Freunde endloser Aufbauorgien stören, hat andererseits den Vorteil, dass sich "Valhalla Hills" im Gegensatz zu anderen Genrevertretern auch gut als Spiel für ein Stündchen zwischendurch eignet.
Etwas seichter als Rivalen, einzelne KI-Aussetzer
Dass "Valhalla Hills" als Aneinanderreihung kleinerer Aufbau-Levels verstanden werden sollte, zeigt sich auch an anderer Stelle. Die Produktionsketten sind eher kurz und nicht so komplex wie etwa früher bei den "Siedlern" oder jüngst in "Anno 2205". Zudem ist die Vielfalt an Gebäuden - sie haben alle die gleiche Grundfläche - überschaubar, wenngleich sich manche Einrichtungen mit zusätzlichen Modulen ausbauen lassen.
Der militärische Part - hie und da kämpft man neben Portalwächtern auch gegen fiese Zwerge - ist unkompliziert: Militärlager und Waffen bauen, Soldaten in Lagern rekrutieren und sie mit genug Gerstensaft kampftüchtig halten, das war's. Im Fall eines Angriffs ist man zum Zuschauen verdammt, kann nicht aktiv ins Geschehen eingreifen. Die Kämpfer agieren nämlich - ebenso wie die Arbeiter - selbstständig, was wegen gelegentlicher KI-Aussetzer hie und da zum Problem werden kann.
Hübsche Optik, bockige Kameraführung
Optisch ist "Valhalla Hills" recht gelungen. Die knuffigen Wikinger wurden detailliert gestaltet und haben Persönlichkeit, dank Unreal Engine sehen Licht- und Wassereffekte für Strategiespiel-Verhältnisse sehr gut aus. Der Soundtrack untermalt das Geschehen ausgesprochen angenehm und unaufdringlich und fügt sich sehr gut ins Wikinger-Setting ein. Ein nervtötendes Problem ist derweil die Kameraführung: Sie ist recht hakelig und trübt den Spielspaß spürbar.
Fazit: Funatics liefert mit "Valhalla Hills" einen gelungenen Aufbau-Happen für Zwischendurch ab, der Fans der "Cultures"- und "Siedler"-Reihe ansprechen wird, allerdings nicht ganz den Tiefgang der Vorbilder entfalten kann. Die störrische Kameraführung, gelegentliche KI-Probleme und die eigentlich nur zu Spielbeginn präsente Story hätte man besser lösen können, Genre-Fans mit einer Vorliebe für kürzere Partien könnten am Wikinger-Gewusel von "Valhalla Hills" aber durchaus Gefallen finden.
Plattform: PC
Publisher: Daedalic
krone.at-Wertung: 7/10
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