So, 23. September 2018

Alarmierende Werte

14.12.2015 11:57

Studie: Österreichs Erwachsene werden immer dicker

Österreichs Erwachsene werden immer dicker. 15,6 Prozent der Männer und 13,2 Prozent der Frauen sind laut den aktuellsten Erhebungen adipös. Zum Vergleich: 1991 waren es noch 8,3 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen. Bei Kindern und Jugendlichen könnte allerdings ein Plafond erreicht sein, so der Wiener Sozialmediziner Thomas Dorner.

Als Adipositas gilt ein Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30, unter Übergewicht wird ein BMI zwischen 25 und 30 verstanden. Bei normalgewichtigen Erwachsene liegt der Werte zwischen 18,5 und 25. Die viel zu vielen Kilos haben jedenfalls eindeutig negative Auswirkungen. "Ein extrem adipöser junger Mensch (20 bis 30 Jahre), mit einem BMI größer 45 verliert etwa 13 (Mann) bzw. acht (Frau) Lebensjahre als Folge der Adipositas. Übergewichtige 40-Jährige verlieren drei Lebensjahre, adipöse Gleichaltrige sechs bis sieben Jahre", sagt Dorner.

Kontinuierliche Steigerung
Wie sehr sich die Situation in einem nur relativ geringen Zeitraum von rund 25 Jahren in Österreich verändert hat, stellte Dorner jetzt in der Wiener Medizinischen Wochenschrift in Auflistung der verschiedenen Erhebungen zum Thema Adipositas in Österreich dar: Laut Mikrozensuserhebung der Statistik Austria aus dem Jahr 1991 (mehr als 46.000 Personen ab 20 Jahren) lag die Adipositasrate damals bei den Männern bei 8,3 und bei den Frauen bei neun Prozent. 1999 wurde diese Erhebung wieder durchgeführt und brachte Adipositasanteile unter Männern und Frauen von jeweils 9,1 Prozent.

Eine danach folgende Gesundheitsbefragung (2006/2007) mit mehr als 15.000 Teilnehmern (Männer und Frauen ab 15 Jahren) wies zwölf Prozent der Männer und 12,7 Prozent der Frauen als adipös aus. Die gleichlautende Befragung im Jahr 2014 mit ebenfalls mehr als 15.000 Teilnehmern zeigte einen Adipösen-Anteil bei den Männern von 15,6 Prozent, bei den Frauen von 13,2 Prozent, berichtet Thomas Dorner von der Medizinischen Universität Wien in der Wiener Medizinischen Wochenschrift.

Männer überrunden Frauen deutlich
Etwas anders sind die Angaben gemäß dem Ernährungsbericht 2012, bei dem 313 Männer und Frauen (18 bis 64 Jahre alt) direkt gemessen wurden. Da waren 47,7 Prozent der Männer normalgewichtig, 37,4 Prozent übergewichtig und 14,9 Prozent adipös. "Von den Frauen waren 4,2 Prozent untergewichtig (niemand bei den Männern; Anm.), 68,2 Prozent normalgewichtig, 17,9 Prozent übergewichtig und 9,7 Prozent adipös", berichtet Dorner. Das alles deutet darauf hin, dass die Männer die Frauen deutlich überrundet haben.

Der Sozialmediziner vom Wiener Zentrum für Public Health führte gegenüber der APA folgende Faktoren an, die besonders häufig mit Adipositas in Verbindung stehen: höheres Alter, niedriger Bildungsstatus, Migrationshintergrund und Wohnort in Ostösterreich. Die Wahrscheinlichkeit für Adipositas hätte in Österreich mit steigendem Alter alle fünf Jahre bei beiden Geschlechtern um etwa zehn Prozent zugenommen. "Frauen und Männer in Österreich hatten etwa um 50 Prozent eine höhere Wahrscheinlichkeit für Adipositas als in Westösterreich." Die regionalen Unterschiede seien weitgehend unverändert geblieben, sagte Dorner im Gespräch mit der APA.

"Plafond" bei Kindern und Jugendlichen erreicht?
Eine positive Entwicklung gibt es möglicherweise bei Kindern und Jugendlichen. "Es scheint so, als hätte man da möglicherweise einen Plafond erreicht", sagte Dorner. "So betrug die Prävalenz (Häufigkeit; Anm.) oder Adipositas in den WHO-HBSC-Surveys (Schüler und Jugendliche; Anm.) von 1998, 2010 und 2014 bei den Burschen 13,9 Prozent, 18,5 und 17,3 Prozent und bei den Mädchen zehn, 11,9 und 11,7 Prozent." Möglicherweise könnten sich hier bereits Präventionsmaßnahmen auswirken.

Das größte Folgerisiko für Adipositas stellt übrigens die Hypertonie dar. Fettsüchtige Männer haben das 5,66-fache Risiko für einen Bluthochdruck im Vergleich zu Normalgewichtigen, bei Frauen liegt dieser Faktor beim 5,44-Fachen. Dann folgt die Zuckerkrankheit mit einem jeweils drei- bis vierfachem Risiko bei Menschen mit viel zu vielen Kilos.

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