Mo, 10. Dezember 2018

Selbstversuch

13.12.2015 20:07

So schnell wird man zum Terrorverdächtigen

Ein Schweizer hat demonstriert, wie leicht man für Geheimdienste zum Terrorverdächtigen wird. Hernani Marques, Student der Computerlinguistik an der Uni Zürich, analysierte in einem Selbstversuch sein Kommunikationsverhalten und musste feststellen, dass nicht nur er selbst, sondern auch seine Freundin höchst verdächtig erschienen.

Der 30 Jahre alte Schweizer hat mit Extremismus nichts zu tun, engagiert sich privat aber gegen Massenüberwachung, wie sie etwa Geheimdienste betreiben, indem sie mit bestimmten Suchbegriffen elektronische Kommunikation durchforsten.

Schweiz bekommt neues Nachrichtendienstgesetz
Der Selbstversuch von Marques hat auch einen aktuellen Anlass, denn in der Schweiz wurde ein neues Nachrichtendienstgesetz entworfen, gegen das derzeit ein Referendum läuft. Sollte es in Kraft treten, dürfte der Schweizer Geheimdienst die Kommunikation der Eidgenossen pauschal nach verdächtigen Inhalten filtern.

Im Rahmen seiner Uni-Abschlussarbeit untersuchte Marques Chancen und Gefahren von derartigen massenhaften Kommunikationsanalysen. Zehn Tage lang ließ er sein Surf-Verhalten und auch das seiner Freundin überwachen und protokollieren, weil er wissen wollte "ob wir durch unser normales Verhalten unter Verdacht geraten könnten, politische Extremisten zu sein", berichtet der "Spiegel".

Ernüchterndes Ergebnis
Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: "Von 700 übermittelten Inhalten wurden 232 als verdächtig angezeigt", berichtete Marques. In diesen Fällen wurden angeblich extremistische Inhalte konsumiert. In Wahrheit aber sahen sich Marques oder seine Freundin nur harmlose Berichte oder Texte zu wissenschaftlichen Themen an. Einen Text - einen soziologischen Aufsatz - hatte der Schweizer sogar selbst verfasst und danach wieder aufgerufen. Laut Marques hatten nur zwei der 232 angeblich verdächtigen Inhalte auch extremistisches Potenzial.

Trotzdem wäre er aber in den Fokus des Geheimdienstes geraten. Marques nimmt zwar an, dass Geheimdienste wesentlich raffiniertere Methoden verwenden als er selbst, kritisiert aber ein gewisses "Restrisiko, das bei solchen Verfahren nie auszuschließen ist". Eine automatisierte Analyse könne so schnell zur Massenüberwachung führen.

Video aus dem Archiv: NSA-Gegner wollen Geheimdienst Wasser abdrehen

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
„Nieder mit Regierung“
Sozialistische Jugend: Auf Linie mit „Gelbwesten“
Österreich
Erschreckende Bilanz
Heuer bereits 42 Bluttaten an Frauen!
Österreich
„Besser statt größer“
Das Kitzbüheler Horn in neuem Glanz
Reisen & Urlaub
Gefühlsausbruch
Mette-Marit: Tränen bei Nobelpreis-Verleihung
Video Stars & Society
Gipfel mit Big Boss
Trotz Erfolgsbilanz: Barisic droht Rauswurf
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.