Wii-U-Horror im Test

“Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers”

Spiele
30.10.2015 08:25
Rechtzeitig zu Halloween bringt Nintendo mit dem Horror-Adventure "Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers" endlich wieder neue Grusel-Kost auf seine Heimkonsole Wii U. Der Wii-U-Exklusivtitel nutzt das Touchscreen-Gamepad der Nintendo-Konsole gekonnt als Spielelement und orientiert sich stilistisch an japanischen Horrorfilmen. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

"Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers" - in anderen Ländern heißt das Game "Fatal Frame" - entführt den Spieler auf eine Reise des Schreckens, die an Klassiker des japanischen Horror-Kinos wie "The Ring" erinnert. Ort des Geschehens: Der mysteriöse Berg Hikami, der ein verfallenes Thermenressort mit verfluchtem Wasser beherbergt, mysteriöse Selbstmorde magisch anzieht - und von allerlei Geistern und Gespenstern heimgesucht wird.

An diesem denkbar unheimlichen Ort macht sich der Spieler in Gestalt dreier Protagonisten, die jeweils ihre eigenen, stellenweise zusammenhängenden Geschichten erleben, auf die Suche nach den schaurigen Geheimnissen des Hikami-Bergs.

Stimmungsvoller Horror à la "The Ring"
Erzählt wird die Handlung von "Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers" sehr stimmungsvoll, vor allem Fans japanischer Horror-Streifen dürften auf ihre Kosten kommen. Filmreife Schockmomente im Stil von "The Ring" heben "Project Zero" wohltuend von Horror-Games in Teenie-Horror-Machart ab.

Spielerisch ist "Project Zero" ein klassisches Horror-Abenteuer. Der Spieler erforscht einen unheimlichen Ort nach dem anderen, versucht anhand von Hinweisen, Licht ins Dunkel der Geschichte des Hikami-Bergs zu bringen, und kein Opfer von Geistern und Gespenstern zu werden. Zwischendurch werden Gegenstände gesammelt und die Ausrüstung verbessert - immer mit dem Hintergedanken im Kopf, nach Möglichkeit dem bösartigen schwarzen Wasser aus dem Weg zu gehen, das den Berg heimsucht.

Wii-U-Gamepad als "Camera Obscura"
Die Ausrüstung ist eine Besonderheit von "Project Zero": Wie auch in früheren "Fatal Frame"-Spielen nutzt man in "Priesterin des schwarzen Wassers" nämlich eine magische Kamera, die Camera Obscura, um mit der Geisterwelt in Kontakt zu treten und die Spukwesen des Hikami-Bergs zu bekämpfen.

Das klappt dank Wii-U-Gamepad sehr gut: Auf Knopfdruck wird in den Kamera-Modus gewechselt, der Spieler zielt mit dem mit Bewegungssensoren gespickten Touchscreen-Gamepad auf seine Widersacher und drückt mit den Trigger-Tasten ab. Das erzeugt ein cooles Mittendrin-Gefühl, wie es Freunde von Wii-U-Horror vielleicht noch von Ubisofts "Zombi U" kennen. Es wird mit der Zeit aber auch etwas eintönig, viel Abwechslung gibt es nicht.

Sehr träge Steuerung, häufiges Level-Recycling
Schade: Zwar wurde die Steuerung der Camera Obscura - sie wird auch verwendet, um versteckte Gegenstände in den Levels zu entdecken - gut umgesetzt, generell steuern sich die Charaktere von "Project Zero" aber träge und unpräzise. Der Mix aus Bewegungssensor-Steuerung und Analog-Sticks macht es nicht unbedingt leichter. Das ist vor allem dann lästig, wenn es gilt, schnell zu reagieren - etwa, weil ein Widersacher fotografiert gehört oder man schleunigst die Flucht antreten möchte, es aber nicht intuitiv tun kann, weil man mit der Steuerung kämpft.

Ebenfalls nicht optimal: In "Project Zero" wird gerade im späteren Spielverlauf recht häufig Level-Recycling betrieben. Der Spieler muss also damit rechnen, einen anfangs ziemlich gruseligen Ort immer wieder zu besuchen, was besagtem Ort mit der Zeit natürlich Atmosphäre raubt und am Ende nervt.

Stimmungsvolle Spielwelt, hübsche Charaktere
Optisch kann sich "Project Zero" auf der Wii U durchaus sehen lassen. Der grafische Stil ist stimmungsvoll und passt hervorragend zur Geschichte rund um den Hikami-Berg und seine schaurigen Geheimnisse. Blickt man genauer auf Texturen und Details, merkt man dem Game aber die Limitierungen der Konsole an. Das können PC, PS4 und Xbox One etwas besser.

Sehr schön wurde die Gestaltung der Protagonisten gelöst. Die jungen Frauen Yuri und Miu haben die Entwickler von Koei Tecmo besonders gut getroffen, ihnen realistische Mimik und geschmeidige Animationen spendiert. Typisch japanisch: Die weiblichen Protagonistinnen werden zerbrechlich, teilweise auch betont sexy dargestellt, während ihr männliches Pendant Ren weniger klischeebehaftet daherkommt. Generell ist "Project Zero" in optischer Hinsicht ein Mix aus Manga und Realität - beim Charakterdesign näher an ersterem, bei den Umgebungen näher an zweiterem.

Erwähnenswert: Nintendo hat die europäische Version von "Project Zero" entschärft - allerdings nicht die Horror-Elemente, sondern die Protagonistinnen. Das Model Miu beispielsweise gibt's im japanischen Original durchaus mal in Unterwäsche zu sehen, in der europäischen Version ist sie dagegen stets züchtig gekleidet.

Stimmungsvoller Sound
Gut gelungen ist die Vertonung des Nintendo-Schockers. Der Soundtrack untermalt das Geschehen jederzeit passend, sorgt für Gänsehaut-Feeling. Die Charaktere verfügen über gut eingesprochene englische Sprachausgabe, die deutsche Übersetzung gibt's als Untertitel. Die Soundeffekte tragen viel zur gelungenen Horror-Atmosphäre bei, hie und da schießen die Macher aber über das Ziel hinaus - etwa, wenn ein hochfrequenter Ton überstrapaziert wird, um eine ohnehin schon dramatische Szene noch dramatischer wirken zu lassen.

Fazit: "Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers" ist in puncto Story und Erzählweise ein gelungenes Horror-Abenteuer, das vor allem Freunde von Japano-Horror à la "The Ring" anspricht. Das Touchscreen-Gamepad sorgt für ein cooles Mittendrin-Gefühl und gefällt uns besser als die Quicktime-Sequenzen in manch anderem Genrevertreter. Die schwammige Steuerung und das Level-Recycling sprechen allerdings gegen "Project Zero", und auch etwas mehr spielerische Abwechslung wäre wünschenswert gewesen. Unser Rat: Sollten Sie sich für "Project Zero" interessieren, lohnt sich vor dem Kauf ein Blick auf die kostenlose Demo.

Plattform: Wii U
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 7/10

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
30.10.2015 08:25
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung