Mi, 22. August 2018

Räuber und Gendarm

03.04.2015 09:24

"Battlefield Hardline": Ganovenjagd unter Palmen

Von den Wirren des Zweiten Weltkriegs bis zu den Auseinandersetzungen der nahen Zukunft: "Battlefield"-Spieler haben in den vergangenen Jahren in vielen Schlachten gekämpft. Gewisse Ermüdungserscheinungen blieben da nicht aus, weshalb Publisher EA mit "Battlefield Hardline" nun erstmals bekanntes Terrain verlässt und den Gamer anstelle der Rolle eines Soldaten in die eines Polizisten schlüpfen lässt.

Die in einzelne Episoden unterteilte und damit an Krimiserien angelehnte Kampagne von "Battlefield Hardline" verfrachtet Gamer nach Miami, wo sie an der Seite einer attraktiven Kollegin als Drogenfahnder Nick Mendoza einen sich anbahnenden Drogenkrieg verhindern müssen. Um das zu bewerkstelligen, gilt es jedoch zunächst, die Lieferkette zurückzuverfolgen - vom kleinen "Fisch" zu den Hintermännern.

Entwickler Visceral Games ("Dead Space") beweist dabei einmal mehr großes Talent für spannendes Storytelling: Immer wieder wird der Spieler von plötzlichen Wendungen in der Erzählung überrascht, ohne dass das Geschehen dabei jedoch ins Surreale abdriften würde. Die bislang typischen markigen One-Liner sucht man in "Hardline" vergeblich. Stattdessen wird das Tempo das eine ums andere Mal bewusst gedrosselt, um Dialogen zwischen den Protagonisten mehr Raum zu geben und diesen so zu mehr Persönlichkeit und dadurch letztlich auch Glaubwürdigkeit zu verhelfen.

Das macht sich schließlich auch im Gameplay bemerkbar. "Hardline" ist nicht das Über-Drüber-Action-Ballergame, das sich manch einer angesichts seiner Vorgänger vielleicht erwarten würde. Die handelnden Helden sind eben keine Navy Seals, sondern unterm Strich noch immer ganz normale Cops, sodass vieles eine Spur kleiner und weniger brachial ausfällt als bislang. Heiß her geht es trotzdem, denn auch wenn die feindlichen Auseinandersetzungen insgesamt seltener sind - weniger intensiv sind sie deshalb nicht.

Erst fragen, dann schießen
"Hardline" hebt sich aber auch durch typische Elemente der Polizeiarbeit wie das Sammeln von Beweisen und Verfolgungsjagden von bisherigen "Battlefield"-Spielen ab. Mithilfe des Smartphones werden etwa Tatorte auf Hinweise gescannt. Viel wichtiger aber ist: Es muss nicht immer gleich drauflosgeschossen werden. Wer die Polizeimarke, begleitet von einem freundlichen, aber bestimmten "Hände hoch!", in die Höhe streckt, kann zumindest einen einzelnen Drogendealer problemlos ohne Schusswechsel verhaften. Schwierig wird es allerdings mit steigender Anzahl von Gegnern, wollen diese doch auch in Schach gehalten werden.

Auf leisen Sohlen
Für "Hardline" ebenfalls typisch sind die - zumeist optionalen - Schleicheinlagen. Wer nicht möchte, dass Wachen Alarm schlagen und die Hölle losbricht, kriecht an Patrouillen vorbei, deaktiviert etwaige Alarmsysteme und pirscht sich lautlos von hinten an Gegner heran. Ein Blick auf die Mini-Karte offenbart dabei deren Sichtradius. Wem das zu mühsam ist, der kann aber auch nach der Hauruck-Methode verfahren und alles über den Haufen schießen. Nachteil: Er bringt sich damit um die eine oder andere Belohnung, die es für die Verhaftung (lebend, nicht tot!) gibt. Dazu zählen neue Waffen ebenso wie Erweiterungen für diese sowie Ausrüstungsgegenstände, darunter etwa ein Kletterhaken oder eine Seilrutsche.

Jagd auf Kronzeugen und Geiselnahmen im Multiplayer
Im Online-Multiplayer präsentiert sich "Hardline" schon eher wie ein klassisches "Battlefield" - wenngleich sich die Entwickler durchaus Mühe geben, auch hier das Thema "Räuber und Gendarm" aufzugreifen. So gilt es im Modus "Überfall" beispielsweise, Tresore zu plündern und anschließend zu fliehen, während die Gegenseite, also die Polizei, dies zu verhindern versucht. "Hotwire" hingegen ähnelt der klassischen Eroberung, die ebenfalls zur Auswahl steht, nur dass es statt Kontrollpunkten bewegliche Zielfahrzeuge zu sichern gilt.

In "Blood Money" wiederum kämpfen beide Seiten um Geld - die einen benötigen es zu ihrem Vergnügen, die anderen als Beweismittel. Die Befreiung von Geiseln innerhalb eines Zeitlimits hingegen steht in "Rettung" auf dem Programm. Alternativ dürfen hierbei auch alle Verbrecher eliminiert werden, Respawns gibt es allerdings nicht. Im Modus "Fadenkreuz" wiederum gilt es, ein Attentat auf einen Kronzeugen zu vereiteln bzw. auszuführen.

Alligatoren-Safari und mehr
Viel zu bieten hat "Battlefield Hardline" auch in optischer Hinsicht: Von den schmutzigen Hinterhöfen Miamis geht es unter anderem - stilecht mit dem Luftkissenboot - in die von Alligatoren verseuchten Sümpfe Floridas oder eine alte Shopping-Mall, die während der Mission von einem Hurrikan in ihre Einzelteile zerlegt wird. Für Abwechslung ist demnach gesorgt. Die Grafik hat sich gegenüber dem Vorgänger zwar nicht verbessert, da dieser jedoch bereits zu überzeugen wusste, fällt das nicht ins Gewicht.

Fazit: Großer Coup oder mickriger Fang? Mit "Battlefield Hardline" probt Entwickler Visceral den Spagat zwischen Tradition und Moderne - und bleibt letztlich irgendwo dazwischen stecken. Auf der einen Seite tun der Szenenwechsel und der Fokus auf die Handlung und ihre Charaktere gut. Auf der anderen Seite wird beim Spielen deutlich, dass "Hardline" kein "Battlefield" mehr ist, aber eben auch kein neues Franchise, denn dafür hat der Titel schlussendlich nicht ausreichend Neues zu bieten. Es scheint fast so, als hätten sich die Macher nicht mehr getraut, aus Angst, die "Battlefield"-Veteranen vor den Kopf zu stoßen. Die Frage, warum EA deswegen nicht gleich ein komplett neues Spiel ohne das Erbe und den Namenszusatz "Battlefield" entwickeln ließ, bleibt offen. Kurzum: ein gutes Spiel, das ohne den Kontext der "Battlefield"-Serie jedoch noch besser hätte sein können.

Plattform: Xbox One (getestet), Xbox 360, PS4, PS3, PC
Publisher: EA
krone.at-Wertung: 8/10

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Storykommentare wurden deaktiviert.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.