Mi, 20. Juni 2018

Tiefenstimulation

05.02.2015 20:05

"Hirnschrittmacher" als Waffe gegen Drogensucht

Die tiefe Hirnstimulation, die bereits gegen verschiedene psychische und neurologische Leiden zum Einsatz kommt, könnte möglicherweise auch die Kokain-Abhängigkeit wirksam behandeln. Dies berichten Genfer Forscher im Fachblatt "Science". Die zerebrale Tiefenstimulation wurde vor fast 30 Jahren von Pierre Pollak, heute Professor am Departement für Klinische Neurologie an der Universität Genf und Chefarzt der Neurologie am Genfer Universitätsspital (HUG), mitentwickelt. Das Verfahren wird mittlerweile bei rund 100.000 Personen erfolgreich angewendet, auch in der Schweiz.

Von den Gesundheitsbehörden ist die tiefe Hirnstimulation weltweit vor allem zur Behandlung von Parkinson zugelassen. Die umgangssprachlich oft als "Hirnschrittmacher" bezeichnete Methode stimuliert bestimmte Hirnstrukturen mit einem leichten elektrischen Impuls. Dadurch werden die typischen Parkinson-Symptome unterdrückt.

Präzision noch mangelhaft: Nachbarzellen als Problem
Allerdings fehlt es der Technik noch an Präzision: So ist es nicht möglich, gezielt einzelne Zellen zu stimulieren und gleichzeitig ihre unmittelbaren Nachbarzellen zu verschonen. Die Neurowissenschaftler der Universität Genf haben versucht, die Methode zu verbessern, um das Suchtverhalten von Mäusen zu unterdrücken.

Mäuse, denen Kokain injiziert wurde, zeigen normalerweise schon nach zwei Behandlungen ein auffälliges Bewegungsmuster. Die Forscher unterzogen die auf Kokain gesetzten Versuchstiere anschließend einer tiefen Hirnstimulation, die aber keine Wirkung zeigte. In einem zweiten Schritt wiederholten die Wissenschaftler die zerebrale Tiefenstimulation. Dieses Mal gaben sie den Mäusen aber zusätzlich ein Medikament, das die Dopaminrezeptoren hemmt. Die Behandlung wirkte: Die Mäuse waren vom Kokain desensibilisiert und verhielten sich wieder normal.

Synapsen müssen vor Behandlung im Normalzustand sein
"Der Grund dafür, dass die elektrische Stimulation alleine nicht genügt, liegt in ihrer mangelnden Präzision", wird Meaghan Creed, Erstautorin der Studie, in einer Mitteilung der Universität Genf vom Donnerstag zitiert. Weil das Kokain die Leistungsfähigkeit der Synapsen erhöhe, müsse man diese irgendwie beruhigen, um den Normalzustand herzustellen. Das gelinge aber nur mit einer Kombination von Medikamenten und der tiefen Hirnstimulation. Diese werde zielgerichteter.

"Die Kombination dieser zwei Elemente ist eine Premiere, die der zerebralen Tiefenstimulation ganz neue und breitere Anwendungen eröffnet", betont der Genfer Medizinprofessor Christian Lüscher. Denkbar sei etwa die Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen oder gewissen Formen von Schizophrenie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.