Experte hat Zweifel

„Ungereimheiten“ bei Motiv von Krakau-Schützen

Ausland
08.11.2026 23:14
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es deutet laut Polens Innenminister Marcin Kierwiński alles darauf hin, dass der Krakau-Schütze „von rechtsextremer Ideologie beeinflusst“ war. Terrorismusforscher Peter Neumann ist sich da nicht so sicher, es gebe noch „ein paar Ungereimtheiten.“

Neumann ist „ziemlich sicher“, dass der Schütze noch weiter gemordet hätte, wenn ihn nicht zwei mutige Polizisten aufgehalten hätten, wie er am Sonntagabend in der ZIB2 sagte. Am Samstagnachmittag hatte der Schütze in der polnischen Stadt sechs Passanten erschossen. Viele Attentäter hätten eine Faszination für extreme Gewalt, die fast noch wichtiger sei als die Ideologie, erklärte Neumann. „Es geht darum, viele, viele Menschen zu töten.“

Der Experte hat allerdings so seine Zweifel daran, dass der Krakau-Schütze ein Rechtsextremist war. „Wir wissen nicht, ob die Person in der rechtsextremen Szene aktiv war und vor allem passen natürlich die Opfer nicht unbedingt zur Ideologie“, gab Neumann zu bedenken. Bei rechtsextremistischen Attentaten seien oft Minderheiten die Opfer. „Hier waren es ganz normale Landsleute auf der Straße“, erklärte Neumann.

„In Richtung einer psychischen Auffälligkeit“
„Was natürlich auch nicht passt, ist die Tatsache, dass der mutmaßliche Täter seine Eltern und seine Schwestern umgebracht hat“, sagte Neumann. „Das deutet für mich eher in die Richtung einer psychischen Auffälligkeit.“ Am Samstagabend waren in der Wohnung des mutmaßlichen Schützen Michal O. die Leichname seiner Eltern und seiner Schwester gefunden worden.

Neumann gab allerdings zu bedenken, dass oft mehrere Motive zusammenspielen, etwa persönliche Kränkungen, Online-Radikalisierungen, psychische Auffälligkeiten oder Faszination für extreme Gewalt. Es sei oft schwierig, die Täter in eine einzelne Kategorie einzuordnen. Er sei gespannt, ob noch ein Manifest auftaucht, sagte der Experte. Das sei häufig der Fall. 

Terrorismus-Ermittlungen
Am Samstagnachmittag raste nach Angaben der Ermittler ein Mann in der bei Touristen beliebten Stadt im Süden Polens „mit einem Auto auf den Hauptmarktplatz“ und schoss anschließend „wahllos auf Passanten“. Dabei wurden sechs Menschen getötet und 15 verletzt. Der 24-Jährige, der Medien zufolge Michal O. heißt, wurde bei dem darauffolgenden Polizeieinsatz lebensgefährlich verletzt. Nach Behördenangaben wurde er am Sonntag weiter im Krankenhaus behandelt. Die polnische Staatsanwaltschaft leitete am Sonntag Ermittlungen wegen „Terrorismus“ ein. Außerdem gilt eine zweitägige Staatstrauer.

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