Experte hat Zweifel
„Ungereimheiten“ bei Motiv von Krakau-Schützen
Es deutet laut Polens Innenminister Marcin Kierwiński alles darauf hin, dass der Krakau-Schütze „von rechtsextremer Ideologie beeinflusst“ war. Terrorismusforscher Peter Neumann ist sich da nicht so sicher, es gebe noch „ein paar Ungereimtheiten.“
Neumann ist „ziemlich sicher“, dass der Schütze noch weiter gemordet hätte, wenn ihn nicht zwei mutige Polizisten aufgehalten hätten, wie er am Sonntagabend in der ZIB2 sagte. Am Samstagnachmittag hatte der Schütze in der polnischen Stadt sechs Passanten erschossen. Viele Attentäter hätten eine Faszination für extreme Gewalt, die fast noch wichtiger sei als die Ideologie, erklärte Neumann. „Es geht darum, viele, viele Menschen zu töten.“
Der Experte hat allerdings so seine Zweifel daran, dass der Krakau-Schütze ein Rechtsextremist war. „Wir wissen nicht, ob die Person in der rechtsextremen Szene aktiv war und vor allem passen natürlich die Opfer nicht unbedingt zur Ideologie“, gab Neumann zu bedenken. Bei rechtsextremistischen Attentaten seien oft Minderheiten die Opfer. „Hier waren es ganz normale Landsleute auf der Straße“, erklärte Neumann.
„In Richtung einer psychischen Auffälligkeit“
„Was natürlich auch nicht passt, ist die Tatsache, dass der mutmaßliche Täter seine Eltern und seine Schwestern umgebracht hat“, sagte Neumann. „Das deutet für mich eher in die Richtung einer psychischen Auffälligkeit.“ Am Samstagabend waren in der Wohnung des mutmaßlichen Schützen Michal O. die Leichname seiner Eltern und seiner Schwester gefunden worden.
Neumann gab allerdings zu bedenken, dass oft mehrere Motive zusammenspielen, etwa persönliche Kränkungen, Online-Radikalisierungen, psychische Auffälligkeiten oder Faszination für extreme Gewalt. Es sei oft schwierig, die Täter in eine einzelne Kategorie einzuordnen. Er sei gespannt, ob noch ein Manifest auftaucht, sagte der Experte. Das sei häufig der Fall.
Terrorismus-Ermittlungen
Am Samstagnachmittag raste nach Angaben der Ermittler ein Mann in der bei Touristen beliebten Stadt im Süden Polens „mit einem Auto auf den Hauptmarktplatz“ und schoss anschließend „wahllos auf Passanten“. Dabei wurden sechs Menschen getötet und 15 verletzt. Der 24-Jährige, der Medien zufolge Michal O. heißt, wurde bei dem darauffolgenden Polizeieinsatz lebensgefährlich verletzt. Nach Behördenangaben wurde er am Sonntag weiter im Krankenhaus behandelt. Die polnische Staatsanwaltschaft leitete am Sonntag Ermittlungen wegen „Terrorismus“ ein. Außerdem gilt eine zweitägige Staatstrauer.

Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 







Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.