Auf den Dürresommer 2026 könnte ein noch heißerer Sommer 2027 folgen, der globale Temperaturanstieg dürfte noch dramatischer ausfallen: Klimaforscher der Universität Graz haben am Freitag ihre Prognosen aktualisiert – passend zum bevorstehenden Start der Weltklimakonferenz.
Schon länger scheint klar, dass der gegenwärtige El Niño der stärkste seiner Art seit Beginn der Aufzeichnungen werden wird. Forscher der Universität Graz haben jetzt noch einmal neu berechnet, wie sich das Klimaphänomen in Kombination mit den menschengemachten Emissionen auf die Erderhitzung auswirkt. Die globale Lufttemperatur wird heuer voraussichtlich im Schnitt etwa 1,65 Grad und 2027 sogar rund 1,8 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen, lautet das Resümee.
Die Erwärmung falle damit noch etwas stärker aus, als bereits im Juni in der Frühphase des El-Niño-Ereignisses vorhergesagt worden ist, hieß es in einer Aussendung der Uni Graz. Damals lag das voraussichtliche Plus für 2026 noch bei 1,62 Grad Celsius und jenes für 2027 bei 1,71 Grad.
Weiterer Sommer mit Hitze und Dürre wahrscheinlich
„Wegen der El-Niño-bedingten Erwärmungswirkung ist ein weiterer Sommer mit überdurchschnittlicher Hitze und Dürre wahrscheinlich“, wird Gottfried Kirchengast vom Wegener Center und Institut für Physik zitiert – und das sei untypisch, dass nach einer extremen Situation wie 2026 keine Atempause erfolge, die eben durch das Klimaphänomen verhindert werde. Der Klimaphysiker hat die Berechnungen gemeinsam mit dem Dissertanten Moritz Pichler durchgeführt.
Während sich die Politik ab Montag in Antalya zur UNO-Klimakonferenz COP trifft, sorge das Phänomen El Niño im Pazifik schon jetzt für Wassertemperaturen von über 30 Grad Celsius, der Höhepunkt werde rund um den Jahreswechsel erreicht, so der Forscher. Die Auswirkungen zeigen sich bereits an der amerikanischen Westküste etwa mit heftigen Regenfällen, die in Peru zu schweren Überschwemmungen und Erdrutschen geführt haben. In Mitteleuropa werde die Entwicklung auch noch bis Herbst 2027 wirksam.
Massiv betreffen wird das Klimaphänomen auch Afrika: „Man muss regional mit Ernteausfällen von über 50 bis 70 Prozent rechnen, was für die Menschen vor Ort eine Tragödie ist und aufgrund der globalen Verflechtungen auch uns in Europa betreffen wird“, ergänzte Kirchengast.
Fachlich eindrucksvoll, aber auch traurig
Fachlich sei es zwar eindrucksvoll, das alles schon ein Jahr davor zu wissen, „jedoch ist es sehr traurig, auch all die vermeidbar gewesenen Verluste und Schäden kommen zu sehen. Klarer kann die Dringlichkeit für Klimaschutz nicht mehr sichtbar werden“, schrieb Kirchengast.
Die Ergebnisse der Berechnungen sind als Teil des Datensatzes ClimTrace3.0 frei zugänglich. Die Forscher haben zum Vergleich auch erwartete Ergebniswerte aus den etwas abweichenden Berechnungsweisen des europäischen Klimawandeldienstes Copernicus und der Weltmeteorologischen Organisation ergänzend ermittelt und bereitgestellt.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.