Grazer Forscher:

2027 droht uns bereits der nächste Dürresommer

Steiermark
06.11.2026 16:45
Porträt von Steirerkrone
Von Steirerkrone

Auf den Dürresommer 2026 könnte ein noch heißerer Sommer 2027 folgen, der globale Temperaturanstieg dürfte noch dramatischer ausfallen: Klimaforscher der Universität Graz haben am Freitag ihre Prognosen aktualisiert – passend zum bevorstehenden Start der Weltklimakonferenz.

Schon länger scheint klar, dass der gegenwärtige El Niño der stärkste seiner Art seit Beginn der Aufzeichnungen werden wird. Forscher der Universität Graz haben jetzt noch einmal neu berechnet, wie sich das Klimaphänomen in Kombination mit den menschengemachten Emissionen auf die Erderhitzung auswirkt. Die globale Lufttemperatur wird heuer voraussichtlich im Schnitt etwa 1,65 Grad und 2027 sogar rund 1,8 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen, lautet das Resümee.

Die Erwärmung falle damit noch etwas stärker aus, als bereits im Juni in der Frühphase des El-Niño-Ereignisses vorhergesagt worden ist, hieß es in einer Aussendung der Uni Graz. Damals lag das voraussichtliche Plus für 2026 noch bei 1,62 Grad Celsius und jenes für 2027 bei 1,71 Grad.

Die Erklärgrafik zeigt das Klimaphänomen El Nino im Vergleich zu normalen Wetterverhältnissen. Bei normalen Bedingungen sorgt Wind für aufsteigendes kaltes Tiefenwasser im Pazifik und Regen in Südostasien. Während El Nino bleibt das Tiefenwasser unten, warme Oberflächenströmungen entstehen, was zu Dürren in Australien und Überschwemmungen in Südamerika führt. Quelle: APA.

Weiterer Sommer mit Hitze und Dürre wahrscheinlich
„Wegen der El-Niño-bedingten Erwärmungswirkung ist ein weiterer Sommer mit überdurchschnittlicher Hitze und Dürre wahrscheinlich“, wird Gottfried Kirchengast vom Wegener Center und Institut für Physik zitiert – und das sei untypisch, dass nach einer extremen Situation wie 2026 keine Atempause erfolge, die eben durch das Klimaphänomen verhindert werde. Der Klimaphysiker hat die Berechnungen gemeinsam mit dem Dissertanten Moritz Pichler durchgeführt.

Während sich die Politik ab Montag in Antalya zur UNO-Klimakonferenz COP trifft, sorge das Phänomen El Niño im Pazifik schon jetzt für Wassertemperaturen von über 30 Grad Celsius, der Höhepunkt werde rund um den Jahreswechsel erreicht, so der Forscher. Die Auswirkungen zeigen sich bereits an der amerikanischen Westküste etwa mit heftigen Regenfällen, die in Peru zu schweren Überschwemmungen und Erdrutschen geführt haben. In Mitteleuropa werde die Entwicklung auch noch bis Herbst 2027 wirksam.

Der Klimaphysiker Gottfried Kirchengast von der Universität Graz.
Der Klimaphysiker Gottfried Kirchengast von der Universität Graz.(Bild: Christian Jauschowetz)

Massiv betreffen wird das Klimaphänomen auch Afrika: „Man muss regional mit Ernteausfällen von über 50 bis 70 Prozent rechnen, was für die Menschen vor Ort eine Tragödie ist und aufgrund der globalen Verflechtungen auch uns in Europa betreffen wird“, ergänzte Kirchengast.

Fachlich eindrucksvoll, aber auch traurig
Fachlich sei es zwar eindrucksvoll, das alles schon ein Jahr davor zu wissen, „jedoch ist es sehr traurig, auch all die vermeidbar gewesenen Verluste und Schäden kommen zu sehen. Klarer kann die Dringlichkeit für Klimaschutz nicht mehr sichtbar werden“, schrieb Kirchengast.

Die Ergebnisse der Berechnungen sind als Teil des Datensatzes ClimTrace3.0 frei zugänglich. Die Forscher haben zum Vergleich auch erwartete Ergebniswerte aus den etwas abweichenden Berechnungsweisen des europäischen Klimawandeldienstes Copernicus und der Weltmeteorologischen Organisation ergänzend ermittelt und bereitgestellt.

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