Bombennacht in Kiew
„Manipulation“: Klitschko greift Selenskyj an
Kiew war in der Nacht auf Samstag wieder einem Raketen- und Bombenhagel aus Russland ausgesetzt. Die Folge: schwere Probleme bei der Stromversorgung der ukrainischen Hauptstadt – und für die macht Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht nur den Kreml, sondern auch Bürgermeister Vitali Klitschko verantwortlich. Der wiederum kontert und bezichtigt Selenskyj der „Manipulation“ und der „Lüge“.
Klitschko teilte Samstagfrüh mit, der Stromausfall treffe auch die Versorgung mit Fernwärme und Wasser. Seinen Angaben nach zielte der Angriff auf Energieanlagen im Umland der Hauptstadt und im Nachbargebiet Schytomyr. Bei dem Angriff wurde auch die Kiewer Nordbrücke über den Fluss Dnipro beschädigt und musste vorläufig gesperrt werden.
Klitschko drehte ein kurzes Video auf der Brücke, das Schäden an der Fahrbahn und den Leitschienen zeigt. Seinen Angaben nach sind die Stromleitungen für Oberleitungsbusse abgerissen. Klitschko sprach von fünf Verletzten, mit den Reparaturen sei bereits begonnen worden.
Kiews Bürgermeister Klitschko zeigte die beschädigte Brücke her:
Dutzende russische Raketen auf Kiew und Umland
Russland habe 36 Raketen auf Kiew und das Umland abgefeuert, teilte auch Selenskyj mit. „Russland bereitet sich auf die Dreiergespräche vor, indem es mit ballistischen Raketen auf die kritische Infrastruktur schießt“, erklärte er. Kommende Woche sollen in Abu Dhabi Gespräche zwischen der Ukraine und Russland unter Vermittlung der USA über einen Ausweg aus dem Krieg stattfinden. Die Aussichten auf einen Durchbruch werden aber von den Kriegsparteien als gering eingeschätzt.
Selenskyj greift Klitschko an
Doch nicht nur Russland, auch Klitschko wurde von Selenskyj ins Visier genommen. Dessen „nicht umgesetzte Beschlüsse auf städtischer Ebene zur Vorbereitung auf die Heizperiode“ seien für die Versorgungsprobleme verantwortlich, die Stadt deshalb nicht ausreichend auf die Attacken vorbereitet.
Selenskyj meldete sich auf X zu Wort:
Scharfer Konter von Kiews Bürgermeister
Auf diesen Vorwurf folgte ein scharfer Konter Klitschkos. Vertreter Kiews seien zu den Krisenberatungen nicht eingeladen gewesen, Selenskyjs Regierung verzögere außerdem die Genehmigung eines Notfallplans für die Hauptstadt. Und Klitschko wird sogar noch deutlicher. Für die Einwohner Kiews sei die „widerwärtig“. Die Arbeit der Helfer, die „unter Einsatz ihres Lebens unter Beschuss rund um die Uhr praktisch Unmögliches leisten“, werde dadurch herabgewürdigt. Selenskyjs fehle wohl die Kenntnis der „realen Situation um die Energieversorgung“, er verbreite „Lügen“ und „Manipulation“.
Zwischen Klitschko und Selenskyj gibt es schon seit Jahren Streit. Der Präsident unterstellt Klitschko immer wieder, Kiew nicht gut genug auf Russlands Angriffe vorzubereiten, umgekehrt warf der Bürgermeister Selenskyj vor, die Ukraine nicht ausreichend vor dem russischen Überfall im Jahr 2022 geschützt zu haben.
Es überrasche ihn daher nicht, dass die Popularität des Präsidenten in der Bevölkerung sinke, denn er „zahlt für Fehler, die er gemacht hat“, „Am Ende des Krieges wird jeder Politiker für seine Erfolge und Misserfolge zahlen“, betonte der ehemalige Boxchampion.
Nur leichte Schäden in Russland
Während Russland mit seinen Attacken also nicht nur in Kiew Schäden anrichtete, sondern auch für weiteren Zank zwischen den beiden Politikern sorgte, gab es in Russland Samstagvormittag nur leichte Schäden zu beklagen. Durch ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe auf mehrere russische Regionen entstanden nach Angaben der russischen Behörden leichte Sachschäden. Es habe keine Opfer gegeben, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau.

Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 







Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.