Wie ist die Pflege älterer Menschen noch zu stemmen sein? Saalfelden denkt laut über die Zukunft nach, will die Struktur verbessern und geht endlich den lang verschobenen Neubau beim Seniorenheim Farmach an. Bei einer Pflegediskussion gab es auch kritische Stimmen.
Voller Saal bei der Bürgerversammlung im Kongresszentrum Saalfelden. Die Zukunft der Pflege beschäftigt alle. Es hakt nicht nur in Saalfelden an vielen Ecken. Im Pinzgau fehlen bis 2035 rund 90 Betreuungsplätze. Die Zahl der Pflegegeld-Bezieher mit Stufe 3 wird um 70 Prozent steigen.
Der Neubau beim Seniorenheim Farmach ist schon seit 2009 Thema. Es dauert alles viel zu lange. Die Kosten haben sich dadurch verdoppelt.

Johannes Demmelbauer, Pensionist
Bild: Sabine Salzmann
Saalfelden plant den Neubau von Haus 1 beim Seniorenheim Farmach, wo derzeit 134 Bewohner untergebracht sind. Das 30-Millionen-Projekt soll nach Verzögerungen konkret werden. „Ob ich das noch erlebe?“, fragen sich Bürger. Es geht um viel Geld, wie SPÖ-Stadtchef Erich Rohrmoser betont. Millionen sollen aus dem Verkauf des alten Bauhofareals fließen. Renate Schwabl, deren Mann pflegebedürftig ist, meint: „Wir brauchen mehr Plätze. Saalfelden hat 18.000 Einwohner.“ Der Ausbau von Kurzzeitpflege und Tageszentrum (nur sieben Plätze) sei dringend.
Ich bedanke mich beim Team im Seniorenheim. Wir brauchen aber dringend mehr Plätze. Es gibt nur ein einziges Kurzzeitpflege-Zimmer.

Renate Schwabl, Angehörige
Bild: Sabine Salzmann
Eva Fuchslechner, Chefin im Seniorenheim Farmach, hat aber auch eine gute Nachricht: „Momentan gibt es bei uns keine Personalnot. Wir machen das Beste aus der räumlichen Situation.“ Ihr Wunsch zu den Plänen: „Dass wir nicht weiter vertröstet werden.“ Mit der Schule für Sozialbetreuungsberufe hat Saalfelden auch eine eigene Schmiede für Pflegepersonal. „Es werden viele ausgebildet, aber es fehlen dann Jobs in der Region“, merkt Alexandra Messner an.
Ich habe die Schule für Sozialbetreuung abgeschlossen und weiß wie toll die Ausbildung ist. Es gibt in der Region aber zu wenig Jobangebot.

Alexandra Messner, Fachsozialbetreuerin
Bild: Sabine Salzmann
Unsere Freiwilligen von ,Zeitpolster’ helfen im Alltag. Wir suchen im Raum Saalfelden noch dringend weitere Helfer, die sich engagieren wollen.

Brigitte Schwaiger, Freiwilligen-Initiative Zeitpolster
Bild: Sabine Salzmann
Pflege passiert aber nicht nur im Seniorenheim. Rund 80 Prozent der Menschen werden zu Hause betreut. Bürger sollen jetzt in einem Beteiligungsprozess zum Pflegeangebot im Ort mitreden. „Angehörige haben viele Fragen und schämen sich oft“, erinnert Renate Schwabl an ein Dilemma, das viele teilen. Einrichtungen wie das Hilfswerk haben Angebote für Angehörige. Und nicht zu vergessen: Das Freiwilligen-Netzwerk „Zeitpolster“, das Helfer und Ältere zusammenspannt.
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