Während das „COM“-Netzwerk auch hierzulande für unfassbar brutale Fälle sorgt, fragen sich immer mehr Eltern, wie sie ihren Nachwuchs am besten schützen können. Oder was sie konkret unternehmen müssen, wenn das Kind bereits betroffen ist.
Kinder und Jugendliche verbringen heute einen großen Teil ihrer sozialen Interaktion in digitalen Räumen. Chatgruppen, Onlinespiele und soziale Netzwerke ermöglichen zwar Vernetzung. Sie dienen aber auch als Einfallstor für Kriminelle.
Das Perfide daran ist, dass die schädlichsten Kontakte oft sehr freundschaftlich beginnen: Man wird in den Himmel gehoben und mit Aufmerksamkeit überschüttet. Doch in Wahrheit sammeln die Täter bereits gezielt persönliche Informationen wie Telefonnummern, Wohnort, private Geschichten. Und machen Schwachstellen ausfindig, die sie später als Druckmittel nutzen.
Nach der anfänglich harmonischen Phase schlägt der Ton plötzlich um. Statt lobenden Worten gibt es Drohungen und Erpressung. Eine schwerwiegende Abhängigkeit – ein sogenanntes Traumaband – entsteht. Ohne Hilfe von außen können sich Betroffene aus dieser Verflechtung oft nicht mehr lösen.
Kinder und Jugendliche werden zu schweren Straftaten genötigt
Mit genau diesen manipulativen Mitteln arbeitet das „COM“-Netzwerk. Der international tätige Zusammenschluss gewaltorientierter Online-Gemeinschaften rekrutiert systematisch Kinder und Jugendliche. Und nötigt sie zu schweren Straftaten. Auch in Österreich gibt es bereits bekannte Fälle.
„Betroffene werden dazu gebracht, intime Inhalte zu erstellen, sich selbst zu verletzen oder Gewalt gegen Menschen und Tiere auszuüben“, warnt das Bundesministerium für Inneres (BMI). Häufig wird eine kultähnliche Struktur beobachtet, „in der Führungspersonen Loyalität verlangen und immer neue Unterwerfungsbeweise fordern“. Extreme Gewalt werde dabei als Statussymbol oder Zugehörigkeitsnachweis inszeniert.
Als Plattform instrumentalisieren die Täter demnach Messengerdienste wie Telegram oder Kommunikations- und Spieleplattformen wie Discord und Roblox. Auch der Missbrauch von Selbsthilfeforen wurde bereits beobachtet. Gefährdet sind demnach vor allem Kinder und Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren. Sie glauben aus Scham, dass sie niemandem von ihren Erlebnissen erzählen dürfen.
Maß und Ziel nicht aus den Augen verlieren
Vorschnell verteufelt werden sollte das Handy nicht. Wenn Jugendliche fürchten müssen, den Zugang ganz zu verlieren, erzählen sie in der Regel gar nichts mehr, warnt der Verein „Mimikama“. Onlinespiele, soziale Netzwerke und Discord seien für sich allein kein Grund zur Sorge. Wichtig sei stets, genau hinzuschauen. Verhält sich das Kind in letzter Zeit auffällig? Zieht es sich immer mehr zurück? Wirkt es bedrückt? Ein offenes, vertrauensvolles Gespräch wirke oft Wunder.
Immer einen Ausweg zeigen
Ein Kind brauche außerdem einen Weg zurück, auch wenn schon etwas passiert ist. „Ein verschicktes intimes Foto, eine Straftat oder eine Drohung sind oft genau das, womit die Täter Druck machen … Jugendliche müssen wissen, dass sie Hilfe bekommen – auch dann, wenn schon Fehler passiert sind. Genau das nimmt Erpressern einen Teil ihrer Macht“, schreibt „Mimikama“.
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