Wegen Erbe
Italiener tötete eigenen Cousin mit einem Krapfen
Es klingt wie ein makabrer Krimi: Obwohl ein 74-jähriger Pflegeheimbewohner wegen einer schweren Schluckstörung ausschließlich Flüssignahrung zu sich nehmen durfte, bekam er von seinem Cousin einen Krapfen zugesteckt – und erstickte daran. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Es war eiskalter Mord!
Der bizarre Fall erschüttert derzeit Reggio Emilia in Norditalien. Das 74-jährige Opfer lebte dort in einer Pflegeeinrichtung und litt an Dysphagie, einer schweren Schluckstörung. Feste Nahrung konnte für den Mann lebensgefährlich werden.
Das wusste auch sein 76-jähriger Verwandter ganz genau. Schließlich war dieser nicht nur ein naher Angehöriger, sondern zugleich gesetzlicher Vormund des Pflegebedürftigen. Dennoch soll er ihm einen mit Creme gefüllten Krapfen zukommen haben lassen. Der 74-Jährige aß davon, verschluckte sich – und erstickte.
Schon zuvor Süßigkeiten eingeschleust
Was zunächst noch wie eine tragische Unachtsamkeit aussehen konnte, bekam bei den Ermittlungen eine völlig andere Wendung. Denn laut Staatsanwaltschaft soll es nicht der erste derartige Vorfall gewesen sein.
Er wusste ganz genau von der schweren Schluckstörung seines Cousins, schließlich war er sein gesetzlicher Vormund.
Calogero Gaetano Paci, leitender Staatsanwalt von Reggio Emilia
Der 76-jährige Verwandte soll bereits zuvor versucht haben, seinem Cousin Gebäck und Süßigkeiten zukommen zu lassen – obwohl er um dessen Schluckstörung wusste. Besonders brisant: Die Lebensmittel soll er sogar vor den Kontrollen der Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung versteckt haben.
Die Ermittler sprechen deshalb von einem „vorsätzlichen und wiederholten Handeln“. Für die Staatsanwaltschaft steht fest: Der tödliche Krapfen war kein Versehen.
Immobilie im Wert von 300.000 Euro
Als Motiv sehen die Ermittler Habgier. Im Zentrum steht eine Immobilie aus dem Familienbesitz im Wert von mehr als 300.000 Euro. Der Beschuldigte soll darauf aus gewesen sein, nach dem Tod des 74-Jährigen an dessen Vermögen zu gelangen.
Besonders schwer wiegt, dass ausgerechnet jener Mann unter Verdacht steht, der seinen pflegebedürftigen Cousin als gesetzlicher Vormund eigentlich hätte schützen müssen. Stattdessen soll er dessen gesundheitliche Schwäche gezielt ausgenutzt haben.
Der 76-Jährige befindet sich derzeit unter Hausarrest. Ihm werden neben der vorsätzlichen Tötung auch der Missbrauch seiner Stellung als Vormund sowie erschwerende Umstände wegen der besonderen Schutzbedürftigkeit des Opfers vorgeworfen. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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