Neugründung 2027

SPÖ-Krise: Lercher schreibt Brief an alle Grazer

Steiermark
30.10.2026 13:20

Die SPÖ leckt weiter ihre Wunden nach der herben Niederlage bei der Graz-Wahl. Nur noch zwei Mitglieder hat die einstige Bürgermeisterpartei im Gemeinderat: Daniela Schlüsselberger und Patrick Trabi. Diese sollen nun einen breit angelegten Beteiligungsprozess leiten, der in der geplanten Neugründung der Stadtpartei im Herbst 2027 kulminieren soll.

Geschäftsführend steht der Grazer SPÖ nach dem Abgang von Doris Kampus Landtagsklubobmann Hannes Schwarz vor. Dieser verschickte zuletzt einen Brief an die noch 2300 Mitglieder der Stadtpartei, in dem diese eingeladen werden, sich im Neuaufstellungsprozess einzubringen.

Grazer bekommen Post von Lercher: „Es gibt nichts zu beschönigen“
Und auch der Landesparteichef griff zur Feder. Unter dem Titel „Es gibt nichts zu beschönigen“ wird zwischen 6. und 8. November ein Schreiben Max Lerchers in allen Grazer Haushalten eintrudeln (siehe unten). Auch hier steht die Bitte um Mitarbeit im Vordergrund – auch ohne Parteimitgliedschaft, ohne verpflichtende Teilnahme an Sitzungen oder Ähnliches, wie am Freitag bei der Präsentation der Wähler-Rückholoffensive betont wurde.

Der Brief des SPÖ-Chefs, der Anfang November in den Postkästen der Grazerinnen und Grazer landen ...
Der Brief des SPÖ-Chefs, der Anfang November in den Postkästen der Grazerinnen und Grazer landen soll(Bild: SPÖ Steiermark)

„Die Sozialdemokratie hat das Vertrauen der Grazerinnen und Grazer verloren“, stellt Lercher fest. Auch im Video auf der begleitenden Website graz-am-wort.at steht das Eingeständnis des Scheiterns am Beginn. Daraus sollen nun Konsequenzen gezogen werden – anders als nach vorangegangenen Wahlniederlagen aber nicht, „indem es zwei Wochen später neue Köpfe an der Spitze gibt“. Das habe man in Graz „alles erlebt, auf Dauer hat es aber nie funktioniert“.

Zwei simple Fragen
Der Zugang diesmal: zuhören, Fragen stellen, „erst dann folgen unsere Ideen“, schreibt Lercher in seinem Brief. Konkret wird um die Antworten auf zwei Fragen gebeten: „Was muss sich in Graz verbessern?“, und: „Können Sie sich vorstellen, uns auf diesem Weg kritisch zu begleiten?“ Der besagte Weg soll in den Herbst 2027 führen, wo tatsächlich eine Neugründung der Stadtpartei geplant ist.

Bei der Neuorientierung helfen sollen nicht nur die Antworten der Bevölkerung, die von Schlüsselberger und Trabi gesichtet und kanalisiert werden, sondern auch Experten von außen. Der gewerkschaftsnahe Thinktank Momentum sowie die parteieigene Kaderschmiede Renner-Institut sollen ebenso eine Rolle spielen wie erfolgreiche rote Kommunalpolitiker aus Wien, Linz und Salzburg, wo die SPÖ überall den Bürgermeister stellt.

„Es gibt keine Tabus“
„Begleiten heißt aushalten beim Hinhören, ernst nehmen und daraus lernen, bis wir wissen, wo unsere Wurzeln sind und was die Grazer von uns wollen“, gibt Schlüsselberger die Richtung vor. Erster Meilenstein auf dem Weg zur erhofften Wiederauferstehung in der Landeshauptstadt ist eine öffentliche Auftaktveranstaltung am 2. Dezember in der Bakerhouse Gallery in Graz-Gries. Weitere Termine mit insgesamt zwei bis drei großen Schwerpunkten sollen folgen, bis im Herbst 2027 eine Konferenz zur Neugründung auf dem Programm steht. Auf dem Weg dorthin „gibt es keine Tabus“, sagt der geschäftsführende Vorsitzende Schwarz. Am Ende soll laut Lercher eine „moderne, urbane und breite Sozialdemokratie in Graz“ neu entstehen.

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