Durchaus unterhaltsam, aber hart an der Grenze zum Klamauk ist der Spaßfaktor im Klagenfurter Stadttheater am Donnerstag zur Premiere von Mozarts „Così fan tutte“ (So machen es alle) in der knallbunt-poppigen Inszenierung von Nilufar K. Münzing.
Zugegeben, mit Geschick (und Wissen) kann man vieles tiefenpsychologisch durchleuchten, sogar die unglaubwürdige Handlung des Mozart-Opernhits, der sich am Stadttheater konsequent hintergründiger (wie aktueller) Beschäftigung entzieht und zur leichtgängigen Bespaßung mit Hang zur Seifenoper mutiert.
Teuflische Wette, um der Frauen Treue zu prüfen
Also lassen wir (neben Lorenzo da Pontes aus heutiger Sicht zutiefst frauenfeindlichem Libretto) auch unkommentiert, dass sich zwei verliebt Verlobte verkleiden, um die Treue ihrer Herzensdamen zu prüfen, die sich letztendlich doch (vom jeweils anderen) herumkriegen lassen und noch immer nicht merken, wer sie da verführt. Und auch die Seelenschichten des Ewiggültigen in Mozarts Figurenreigen, das sich in anderen Così-Inszenierungen (wie beispielsweise von Kirill Serebrennikow) grandios aus dem Stoff schälen lässt, sind hier nicht zu finden.
Der Stoff, aus dem Uta Gruber-Ballehr ihre inhaltstragende Kostümkunst schneidert, ist also dem Spaß- wie Zeitfaktor geschuldet, in dem Münzing ihre detailverliebte, tempobeschleunigte Inszenierung anlegt – um très chic adretten Pariser Charme in der Stadt der Liebe anno dazumal mit fetzig-wilder Sechzigerjahre-Kostümierung zu verweben, mit der „Guglielmo“ Darwin Prakash und „Ferrando“ Samuel Stopford auf dem Schlachtfeld der Gefühle um Sitte, Moral, Zweifel und Einsicht viele Lacher auf ihrer Seite haben.
Großartige Sänger, hervorragendes KSO
Zu dem indischen Bariton und dem britischen Tenor gesellen sich in derselben klangschönen wie ausdrucksstarken Modulierfähigkeit mit „Mezzo“ Martina Baroni (Dorabella) und Sopranistin Lucia Tumminelli (Fiordiligi) zwei Italienerinnen, die das geschlossen homogene Sänger-Sextett der Hauptfiguren (samt Günter Wallners Prachtchor) durch viel Schauspielkunst aus dem Komik-Fach adeln. „Don Alfonso“ Nikolay Borchev ist teuflischer Anstifter und versöhnlicher „Lehrmeister“ mit glänzendem Bariton, Luisa Mordel kokette Despina mit tragfähigem Sopran.
Grandios auf Mozarts raffiniertes Changieren zwischen Leichtigkeit, Melancholie und Ironie eingestellt ist Michael Hofstetter am Pult des hervorragenden KSO. Das Publikum dankt nach drei Stunden (samt Pause) mit viel Applaus, lässt sich aber (bis auf ein kleines Grüppchen) nicht zu stehenden Ovationen hinreißen.
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